Altbau Dach dämmen
Bestandsanalyse von Sparren, Holzfeuchte und Unterdeckung, hygrothermischer Nachweis, feuchtevariable Dampfbremse9 Arbeitsschritte
9 typische Fehler
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1Die Schadstofffrage im Altbau2Warum der Altbau eine eigene Bestandsaufnahme braucht3Die Bestandsanalyse4Bestandsweiche5Schadensbild → Ursache → Prüfung6Regensicherheit an Traufe, First und Durchdringungen7Der hygrothermische Bauteilnachweis8Eingabedaten für den Feuchtenachweis9Die feuchtevariable Dampfbremse10Luftdichtheitskarte des Altbaus11Die Wärmebrücken an Traufe, Giebel und Innenwänden12GModG13Rechtsweiche § 35 / § 36 / § 3914Schritt für Schritt15PV über dem Altbaudach16Die häufigsten Fehler17Was beachtet werden muss
Vorab: Die Schadstofffrage im Altbau
Beim Altbau steht die Schadstofffrage besonders weit vorn — sie ist hier kein Randthema, sondern der erste Befund der Bestandsaufnahme.
🔴 Alte Dächer können schadstoffhaltig sein. Alte Bitumenbahnen, Faserzement-Wellplatten und -Kleintafeln, die Ziegel nachahmen, sowie Kleber, Kitte und Spachtelmassen können bei Objekten mit Baubeginn bis einschließlich 31.10.1993 asbesthaltig sein; bei später erneuerten Bauteilen sind deren Einbau- und Produktnachweise gesondert zu prüfen. Alte Dämmstoffe aus künstlichen Mineralfasern gelten, wenn sie vor 1996 eingebaut wurden, ohne Entlastungsnachweis als krebserzeugend, Kategorie 1B; bei Einbau zwischen 1996 und 2000 ist ohne Einzelnachweis weiterhin von alter Mineralwolle auszugehen. Der jeweilige Stichtag gilt für das jeweils verbaute Material: später sanierte oder erneuerte Bauteile haben ihr eigenes Einbaudatum — entlastend wirkt das aber nur, wenn dieses Datum belegt ist. Bei Verdacht gilt: nicht öffnen, nicht zerstören; Umgang nach TRGS 519 (Asbest) beziehungsweise nach TRGS 521 (alte Mineralwolle) durch einen dafür qualifizierten Fachbetrieb.
Der Nachweis muss nicht immer eine Materialprobe sein. Auch verlässliche Bau- und Produktunterlagen räumen den Verdacht aus. Reichen sie nicht, folgt die technische Erkundung mit emissionsarmer Probenahme.
Erst wenn der Bestand als unbedenklich bestimmt ist, geht es an die Dämmung — und an die Fragen, die den Altbau eigentlich entscheiden: Holzfeuchte, Feuchteschutz, Wärmebrücken.
Warum der Altbau eine eigene Bestandsaufnahme braucht
Beim Altbau kann man nicht einfach die Dämmmethode wählen und loslegen — der Bestand selbst liefert die Bedingungen, unter denen gedämmt werden darf.
Ein Altbau-Dach ist keine leere Fläche, sondern ein Zustand
Anders als der Neubau, bei dem alle Schichten bekannt und dimensioniert sind, ist das Altbau-Dach eine Konstruktion, deren Alter, Aufbau und Zustand erst ermittelt werden müssen. Die Sparren haben ihr Maß und ihre Holzqualität von damals, die Deckung hat gealtert, und was zwischen den Sparren liegt, weiß niemand ohne Blick hinein. Die Dämmung wird in diesen Zustand eingepasst — nicht auf eine bekannte Fläche gelegt.
Der Bestand entscheidet, was überhaupt möglich ist
Ob von innen oder außen gedämmt wird, ob eine Dampfbremse nötig ist, ob die Sparren die zusätzliche Last tragen — all das hängt vom Befund ab. Ein Altbau-Dach, das feucht oder geschädigt ist, darf nicht einfach überdämmt werden: Die Dämmung würde die Feuchte einschließen und den Schaden beschleunigen. Die Bestandsanalyse ist deshalb kein Vorspiel, sondern die eigentliche erste Arbeit.
Deshalb beginnt der Altbau mit dem Blick ins Gefach
Wer die Dämmung plant, öffnet zuerst an einer Stelle, sieht nach, was wirklich da ist, und misst. Das Ergebnis bestimmt den weiteren Weg — nicht die Annahme, der Bestand werde „schon in Ordnung sein“.
Die Bestandsanalyse: Sparren, Holzfeuchte, Unterdeckung
Die Bestandsanalyse prüft drei Dinge, die beim Neubau bekannt und beim Altbau offen sind.
Die Sparren: Querschnitt, Abstand, Zustand. Der Sparren bestimmt, wie viel Dämmung ins Gefach passt und ob die Konstruktion zusätzliche Last trägt. Gemessen wird der Querschnitt und der Abstand, geprüft werden Schäden, Verbindungen und die Holzqualität. Ein Sparren, der schon immer getragen hat, ist noch kein Nachweis dafür, dass er es nach der Dämmung weiter tut — die Dämmung ändert den Feuchtehaushalt, und Feuchte ist für Holz der eigentliche Gegner.
Die Holzfeuchte: der häufigste übersehene Befund. Holzfeuchte ist die entscheidende Größe im Altbau: Feuchtes Holz darf nicht eingedämmt werden, weil die Dämmung die Feuchte einschließt und dem Holz die Abtrocknung nimmt. Vor dem Dämmen wird gemessen, ob das Holz trocken ist — und wenn nicht, wird zuerst die Feuchtequelle gefunden und beseitigt. Eine Dämmung über feuchtem Holz ist ein eingebauter Holzschaden.
Die Unterdeckung: oft gar nicht vorhanden. Viele Altbau-Dächer haben keine Unterdeckung — eine der drei Bauarten unter der Deckung (neben Unterdach und Unterspannung), die als zweite wasserführende Ebene unter der Deckung liegt und die der Neubau selbstverständlich mitbekommt. Wo diese Ebene fehlt, ist die Dämmung nicht gegen Schlagregen und Flugschnee geschützt. Das Fehlen ist kein Hindernis, aber ein Befund, der den Aufbau verändert: Dann muss die Regensicherheit geplant werden — eine nachträglich eingebrachte Bahn oder eine regensichere Deckung ersetzt bei bis ans Dach herangeführter Dämmung nicht automatisch die zweite wasserführende Ebene. Der konkrete Sanierungsaufbau muss im Einzelfall geplant werden.
Bestandsweiche: Welcher Aufbau liegt außen vor?
Nicht jedes Altbau-Dach darf mit derselben Folie und derselben Gefachfüllung behandelt werden. Was außen auf den Sparren liegt, entscheidet, welcher Weg überhaupt offen ist:
| Was außen vorliegt | Nächster Schritt | Wo die Eigenleistung endet |
|---|---|---|
| intakte, diffusionsoffene Zusatzmaßnahme | Gefach füllen, Dampfbremse aus dem Nachweis ableiten | an der üblichen Grenze: Nachweis und Anschlüsse |
| zweite wasserführende Ebene fehlt | Regensicherheit erst planen, dann dämmen | Regensicherheit ist Dachdecker-/Planerarbeit |
| außen diffusionshemmender Aufbau | Feuchtenachweis führt; Rücktrocknung nach außen ist begrenzt | die Zulässigkeit entscheidet der Nachweis |
| feuchtes oder geschädigtes Holz | Feuchtequelle beseitigen, Schaden beurteilen | Holzschaden und Statik an den Fachbetrieb |
Dieselbe Gefachfüllung, die beim intakten Aufbau richtig ist, verschließt bei fehlender zweiter Ebene oder feuchtem Holz einen Schaden, statt ihn zu lösen. Die Weiche steht deshalb vor jeder Materialfrage.
Schadensbild → Ursache → Prüfung
Vor dem Dämmen wird die Feuchtequelle getrennt — sonst wird die Folge überdämmt, nicht die Ursache beseitigt.
| Schadensbild | Wahrscheinliche Ursache | Prüfung |
|---|---|---|
| Schlagregenspuren an einer Dachseite | undichte Deckung oder Zusatzmaßnahme auf der Wetterseite | Deckung und zweite Ebene dort öffnen |
| Feuchte nur im Winter | Tauwasser aus warmer Raumluft an kalter Fläche | Oberflächentemperatur und Luftdichtheit prüfen |
| schwarze Sparrenränder an Folienstößen | Konvektion: warme Luft strömt durch Leckagen | luftdichte Stöße und Anschlüsse kontrollieren |
| dauerhaft feuchte Auflager unten | aufsteigende Baufeuchte oder feuchtes Mauerwerk | Auflager freilegen, Feuchte messen |
Regenleck, winterliches Kondensat, Konvektion und aufsteigende Baufeuchte verlangen vier verschiedene Antworten. Der Befund sagt, ob gelüftet, abgedichtet oder erst gar nicht gedämmt wird.
Regensicherheit an Traufe, First und Durchdringungen
Eine Zusatzmaßnahme funktioniert nur, wenn sie eingedrungenes Wasser bis zur Traufe ableitet — eine lokale Innenergänzung ohne durchgehenden Wasserweg nützt nichts.
Das Wasser braucht einen Weg nach unten
Unterspannung, Unterdeckung oder Unterdach geben Wasser nur dann ab, wenn sie an der Traufe enden können. Lücken an First, Grat und Kehle oder ein unterbrochener Traufanschluss lassen Wasser in die Dämmung laufen, auch wenn die Fläche dazwischen sauber liegt. Eine feldweise Ergänzung ersetzt deshalb keine durchgehende zweite Ebene; Nähte, Wasserführung und Traufanschluss müssen als System funktionieren.
Die Neigung zählt nur relativ zur Deckung
Ob ein Dach regensicher ist, hängt an der Regeldachneigung der konkreten Deckung, nicht an einer absoluten Zahl. Ein Altbau-Dach unterhalb dieser Regeldachneigung braucht eine entsprechend stärkere Zusatzmaßnahme. Diese Bewertung gehört zum Dachdecker oder Planer — die Regensicherheit ist keine Eigenleistung.
Der hygrothermische Bauteilnachweis
Der Altbau ist feuchtetechnisch der anspruchsvollste Fall — deshalb reicht hier oft die einfache Rechnung nicht.
DIN 4108-3 kennt drei Wege, nicht einen
Die Norm regelt den Nachweis des klimabedingten Feuchteschutzes und stuft ihn ab: Für bestimmte, in der Norm aufgeführte Konstruktionen gilt der Nachweis als erbracht — sie sind nachweisfrei. Reicht das nicht, folgt das vereinfachte Periodenbilanzverfahren, das Tauwasser- und Verdunstungsmenge über die Jahreszeiten gegenrechnet; es hat allerdings einen begrenzten Anwendungsbereich. Der dritte Weg ist die hygrothermische Simulation nach DIN EN 15026. Das ältere Glaser-Verfahren steht dabei nicht mehr allein für den Nachweis.
Der Altbau verlangt oft den hygrothermischen Bauteilnachweis
Beim Altbau sind die Verhältnisse selten einfach: vorhandene Restfeuchte, wechselnde Materialien, ungleichmäßige Schichten, fehlende Unterdeckung. Wo die nachweisfreien Fälle nicht greifen und das vereinfachte Verfahren an seinen Anwendungsgrenzen endet, kommt der hygrothermische Bauteilnachweis zum Einsatz — eine rechnerische Simulation nach DIN EN 15026, die den Feuchte- und Wärmetransport durch die Konstruktion über den Jahresverlauf abbildet. Sie zeigt, ob eine geplante Dämmung in der bestehenden Konstruktion dauerhaft funktioniert — oder ob Feuchte eingeschlossen wird.
Der Nachweis entscheidet über die Dämmung mit
Ob und wie ein Altbau-Dach gedämmt werden darf, welche Dampfbremse und welcher sd-Wert passen, folgt aus diesem Nachweis. Ein Altbau, der „mal eben“ gedämmt wird, ohne den Feuchtehaushalt zu prüfen, ist ein Risiko mit Jahren Laufzeit: Der Schaden zeigt sich erst, wenn das Holz längst angegriffen ist.
Eingabedaten für den Feuchtenachweis
„Simulation erforderlich“ wird erst handlungsfähig, wenn die Eingaben beisammen sind. Für die Übergabe an den Planer:
| Eingabe | Was notiert wird |
|---|---|
| Standort | Klimaregion, Feuchtelast von außen |
| Orientierung und Dachneigung | Exposition zu Wind und Sonne, Neigung zur Regeldachneigung |
| Deckungsart | Dichtigkeit, Hinterlüftung, Regeldachneigung |
| Verschattung und PV | Bäume, Nachbarbebauung, Modulfelder |
| vorhandene Schichten | Reihenfolge, Dicke, Zustand |
| sd-Kennwerte | Dampfdiffusionswiderstand von Folien und Schichten |
| Anfangsfeuchte | gemessene Holz- und Baustofffeuchte |
| Innenraumklima | Nutzung, Temperatur, Feuchtelast |
Ohne diese Angaben kann die Simulation nicht rechnen, und „Nachweis erforderlich“ bleibt eine leere Ansage. Die Liste steht vor dem Planergespräch auf dem Papier.
Die feuchtevariable Dampfbremse
Im Altbau ist die Wahl der Dampfbremse wichtiger als am Neubau — und die feuchtevariable Folie ist hier besonders oft die richtige.
Die Dampfbremse liegt auf der warmen Seite
Die Dampfbremse begrenzt, wie viel Feuchte aus der Raumluft in die Konstruktion eindringt. Ob eine Dampfbremse nötig ist und welcher sd-Wert passt, folgt aus dem Feuchtenachweis — nicht aus der pauschalen Regel. Im Altbau ist das Ergebnis besonders häufig: eine Dampfbremse, weil die alte Konstruktion Feuchte nicht mehr aufnehmen soll.
Feuchteadaptiv heißt: die Folie passt ihren Widerstand an
Eine feuchtevariable Dampfbremse verändert ihren Dampfdiffusionswiderstand mit der Umgebungsfeuchte: Im trockenen Winter bremst sie den Dampf stark, im feuchten Sommer lässt sie mehr durch. Dadurch kann Feuchte, die einmal in die Konstruktion gelangt ist — und im Altbau ist das fast immer der Fall —, nach innen zurücktrocknen. Das ist genau der Vorteil in der alten, nicht vollständig austrocknungsfähigen Konstruktion.
Feuchteadaptiv ist kein Freibrief
Auch die feuchtevariable Folie ersetzt keinen luftdichten Anschluss und keinen Feuchtenachweis — sie ist die klügere Variante derselben Schicht, nicht deren Ersatz. Welche Folie im Einzelfall richtig ist, hängt vom Aufbau und vom Nachweis ab; maßgeblich ist die Planung, nicht der Markenname.
Luftdichtheitskarte des Altbaus
Die Fläche ist selten das Problem — die unregelmäßigen Bestandsanschlüsse sind es. Deshalb wird die luftdichte Ebene Anschluss für Anschluss durchgegangen, bevor die Innenbekleidung alles verdeckt.
Die Funktionen trennen
Die Dampfbremse begrenzt die Dampfdiffusion; die luftdichte Ebene stoppt den Lufttransport durch Leckagen. Eine Bahn kann beides übernehmen, wenn sie dafür geplant und lückenlos angeschlossen wird. Am Altbau ist der Unterschied praktisch: eine diffusionsoffene Stelle fällt langsam auf, eine Luftleckage transportiert Feuchte in Stunden.
Die Anschlüsse einzeln
Rauhes Mauerwerk an Traufe und Giebel braucht einen Putz- oder Klebeuntergrund, auf dem die Folie dauerhaft haftet. Pfetten und Kehlbalken unterbrechen die Ebene — der Übergang wird geführt, nicht einfach überklebt. Innenwände, die durch die Dämmebene stoßen, und der Schornstein werden umlaufend angebunden; Dachfenster erhalten ihren luftdichten Anschluss nach Herstellerangabe.
Kontrolle vor der Bekleidung
Verklebungen, Stöße und Anschlüsse werden gesehen, solange sie frei liegen, und anschließend über eine Luftdichtheitsprüfung abgesichert. Mit der dichten Hülle fällt die alte Undichtigkeit weg, die vorher „mitgelüftet“ hat — deshalb gehört zum luftdichten Ausbau auch ein Lüftungskonzept.
Die Wärmebrücken an Traufe, Giebel und Innenwänden
Der Altbau hat Wärmebrücken, die der Neubau von vornherein mitplant — und die beim Nachdämmen besonders leicht übersehen werden.
Die Traufe ist der Klassiker
An der Traufe — dem Übergang vom Dach zur Außenwand — treffen Dämmebene des Dachs und Dämmebene der Wand aufeinander. Im Altbau ist dieser Übergang häufig ungedämmt oder unterbrochen: Die Dachdämmung endet kurz vor der Traufe, die Wanddämmung fehlt. Der kalte Eckpunkt an der Innenseite kondensiert, und es schimmelt. Die Traufe wird deshalb mitgedämmt, nicht nur die Fläche dazwischen.
Der Giebel wird vergessen
Wo das Dach an den Giebel — die senkrechte Abschlusswand — stößt, endet die Dachdämmung an einer Wand, die selbst oft ungedämmt ist. Der Übergang Dach–Giebel ist eine Wärmebrücke auf ganzer Höhe. Wer nur die Dachfläche dämmt und den Giebelanschluss auslässt, lässt eine kalte Linie stehen.
Die Innenwände durchstoßen die Dämmebene
An Innenwänden und Kehlbalkenlagen, die bis in die Dachfläche reichen, unterbricht die Dämmebene: Das Mauerwerk oder das Holz leitet Wärme besser als die Dämmung und bildet eine Wärmebrücke, die bis ins Dachgeschoss durchschlägt. Der Einfluss dieser konstruktiven Wärmebrücken ist nach den anerkannten Regeln der Technik und mit den im Einzelfall wirtschaftlich vertretbaren Maßnahmen so gering wie möglich zu halten — eine vollständige „Wärmebrückenfreiheit“ ist dabei nicht gefordert. Die Anschlüsse werden deshalb nachweisbar geplant, nicht mit dem Anspruch, jeden Altbau-Anschluss völlig wärmebrückenfrei zu lösen.
GModG: welcher Paragraph wann greift
Der Altbau wirft eine doppelte Rechtsfrage auf — und die Antwort hängt davon ab, ob nur gedämmt oder auch ausgebaut wird.
§ 36 GModG gilt nur, wo ein Tatbestand der Anlage 7 vorliegt
Wer ein bestehendes Altbau-Dach dämmt, unterliegt § 36 GModG mit der Anlage 7 des Gebäudemodernisierungsgesetzes (GModG, vormals GEG) nicht automatisch: § 36 setzt einen konkreten Tatbestand der Anlage 7 voraus — etwa den Ersatz oder die Erneuerung eines Bauteils —, nicht jede beliebige Nachdämmung. Wo er greift, liegt der Höchstwert des U-Werts für das Dach bei 0,24 W/(m²K); außerdem kennt § 36 die Bagatellgrenze: Ausgenommen sind Änderungen an nicht mehr als 10 % der gesamten Fläche der jeweiligen Bauteilgruppe — genau 10 % liegen also noch innerhalb der Ausnahme. Liegt eine solche Anforderung vor, überschreitet eine zu dünne Dämmung den Höchstwert und muss nachgebessert werden.
§ 39 GModG setzt echte neue beheizte Fläche voraus
Nur wo der Altbau-Dachraum so umgebaut wird, dass tatsächlich neue beheizte oder gekühlte Räume hinzukommen, ist § 39 GModG maßgeblich: Dort zählt der Transmissionswärmeverlust der hinzukommenden Räume, nicht pauschal der Einzelbauteilwert. Eine bloße „Nutzungsänderung“ oder ein „Ausbau“ ohne neue beheizte Fläche löst § 39 nicht aus. Beim Altbau, bei dem Dämmen und Ausbau oft zusammenfallen, wird diese Frage deshalb ausdrücklich geklärt — im Zweifel durch den Energieberater beziehungsweise Fachbetrieb im Einzelfall.
Die Dämmstärke folgt aus der Berechnung
Ob 0,24 W/(m²K) als Ziel oder die Anforderung des § 39 gilt — die nötige Dämmstärke ergibt sich aus Aufbau, Sparrenhöhe und Dämmstoff, nicht aus einer Pauschalstärke.
Rechtsweiche § 35 / § 36 / § 39
Welcher Paragraph maßgeblich ist, hängt am konkreten Vorhaben — nicht an der Annahme „es wird ja gedämmt“. Drei Wege:
| Fall | Maßgeblich | Nachweis |
|---|---|---|
| Dachraum bleibt unbeheizt | § 35 GModG: Nachrüstpflicht oberste Geschossdecke | Decke dämmen — oder alternativ das darüberliegende Dach |
| konkreter Eingriff nach Anlage 7 | § 36 GModG mit Anlage 7 | U-Wert des Bauteils, Bagatellgrenze beachten |
| Ausbau schafft wirklich neue beheizte Räume | § 39 GModG | Transmissionswärmeverlust der hinzukommenden Räume |
Ein unbeheizter Spitzboden verlangt keine Dachflächendämmung: maßgeblich ist die oberste Geschossdecke. Erst wo beheizte Räume tatsächlich hinzukommen oder ein Anlage-7-Tatbestand vorliegt, greifen § 39 beziehungsweise § 36. Die Zuordnung entscheidet der Energieberater — und erspart im kalten Spitzboden eine unnötig große Dachflächendämmung.
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Schritt für Schritt: den Altbau dämmen
Dieser Ablauf beschreibt die Altbau-Dämmung — getrennt nach dem, was zu klären, dem, was zu planen und dem, was in Eigenleistung geht.
1
Schadstofffrage klären
Den Bestand bestimmen; bei Verdacht auf Asbest oder alte Mineralwolle endet das Öffnen hier (siehe ganz oben).
2
Bestand aufnehmen
Sparren, Holzfeuchte und Unterdeckung messen und prüfen — was ist da, was fehlt, was ist feucht.
3
Anforderung feststellen
Prüfen, ob ein Tatbestand der Anlage 7 zu § 36 GModG greift oder ob durch den Umbau tatsächlich neue beheizte Fläche entsteht und § 39 GModG maßgeblich ist.
4
Feuchtequelle beseitigen
Feuchtes Holz wird vor dem Dämmen abgetrocknet; die Feuchtequelle wird gefunden und behoben.
5
Hygrothermischen Nachweis führen
Den Feuchtehaushalt der geplanten Konstruktion nachweisen — im Zweifel mit hygrothermischer Simulation.
6
Dampfbremse wählen
Die passende — im Altbau häufig feuchtevariable — Dampfbremse und den sd-Wert aus dem Nachweis ableiten.
7
Dämmung einbringen
Die Dämmung lückenlos ins Gefach oder auf die Ebene einpassen, ohne Hohlräume.
8
Wärmebrücken schließen
Traufe, Giebel und Innenwandanschlüsse nach konstruktiv möglichst gering halten.
9
Luftdicht anschließen
Die Dampfbremse als luftdichte Ebene nach DIN 4108-7 lückenlos verkleben und an alle Anschlüsse anbinden.
PV über dem Altbaudach
Eine Bestands-PV verändert zwei Dinge, die dieser Artikel sonst stillschweigend voraussetzt: die Rücktrocknung und den Zugang zum Dach.
Verschattung gehört in die Simulation
Modulfelder werfen Schatten auf die Deckung und verändern die Abtrocknung des Aufbaus. Wer den Feuchtenachweis führt, gibt die PV als Randbedingung an — ein verschatteter, feuchter Aufbau trocknet anders zurück als einer in voller Sonne.
Verdeckte Leckagen bleiben unerreichbar
Eine Stelle unter einem Modulfeld ist ohne Demontage weder zu sehen noch zu reparieren. Muss die Deckung oder die Zusatzmaßnahme ohnehin außen saniert werden, wird die Frage Demontage und Remontage gleich mitgeplant.
Demontage und Eingriffe in die Bestandsanlage sind Fachfirmenarbeit
Die DC-Seite bleibt auch bei abgeschaltetem Wechselrichter spannungsführend, solange Licht auf das Modul fällt. Arbeiten an Deckung, Zusatzmaßnahme oder Anlage selbst bleiben beim Fachbetrieb — die innen passende Dämmarbeit ersetzt die Außensanierung nicht.
Die häufigsten Fehler
Ohne Bestandsanalyse gedämmt
Dämmung über feuchtem Holz, eingeschlossener Schaden
Holzfeuchte übersehen
Holz fault unter der Dämmung
Fehlende Unterdeckung ignoriert
Dämmung dem Schlagregen ausgesetzt
Feuchtenachweis übersprungen
Tauwasser in der alten Konstruktion
Wärmebrücke an der Traufe ignoriert
kalter Eckpunkt, Schimmel
Giebelanschluss vergessen
Wärmebrücke auf ganzer Höhe
Innenwanddurchdringung ignoriert
kalte Linie bis ins Dachgeschoss
U-Wert bei bestehender Anlage-7-Anforderung überschritten
gesetzliche Anforderung verfehlt, Nachbesserung
Falsche Dampfbremse gewählt
Feuchte kann nicht austrocknen
Was beachtet werden muss
Schadstofffrage — steht im Altbau besonders weit vorn Alte Bitumenbahnen, Faserzementplatten und Dichtstoffe können bei Baubeginn bis einschließlich 31.10.1993 asbesthaltig sein; alte künstliche Mineralfasern sind bei Einbau vor 1996 ohne Entlastungsnachweis zu behandeln als krebserzeugend, Kategorie 1B. Asbest nach TRGS 519, alte Mineralwolle nach TRGS 521 — nie vermischen.
Bestandsanalyse zuerst Sparren, Holzfeuchte und Unterdeckung werden gemessen und geprüft, bevor gedämmt wird. Feuchtes Holz wird nicht überdämmt — zuerst die Feuchtequelle beseitigen.
Hygrothermischer Bauteilnachweis Der Altbau ist feuchtetechnisch anspruchsvoll. Der Nachweis nach DIN 4108-3 — im Zweifel als hygrothermische Simulation — entscheidet, ob und wie gedämmt werden darf.
Feuchtevariable Dampfbremse Die feuchtevariable Folie lässt eingedrungene Feuchte zurücktrocknen — sie ist die klügere Variante derselben Schicht, kein Ersatz für den Nachweis.
Wärmebrücken an Traufe, Giebel und Innenwänden Die Anschlüsse werden nach den im Einzelfall wirtschaftlich vertretbaren Maßnahmen so gering wie möglich gehalten — geplant und nachweisbar, nicht nachträglich gestopft.
Absturz Gearbeitet wird vom Gerüst oder der Arbeitsbühne; die Leiter ist nur der Zugang, kein Arbeitsplatz.
GModG: § 36 oder § 39 § 36 GModG (0,24 W/(m²K) aus Anlage 7) nur, wo ein konkreter Tatbestand der Anlage 7 vorliegt; § 39 GModG nur, wo tatsächlich neue beheizte Fläche entsteht. Im Einzelfall klärt das der Energieberater.

















































