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Von Franke Baustoffe
24. Aug. 2026 11 Min. Lesezeit

Dachstuhl-Aufbau: Sparren, Pfetten, Kehlbalken

Die Bauteile des Dachstuhls, die drei Dachstuhlarten und woran tragende Teile zu erkennen sind
Der Dachstuhl bestimmt, was später möglich ist: wie gedämmt werden kann, wo Fenster hinpassen und ob der Raum darunter je nutzbar wird.
3 Zeilen im Vergleich
10 Kapitel

Sparren, Pfetten und Kehlbalken im Überblick

Ein Dachstuhl ist ein System aus Hölzern, die zusammen zwei Aufgaben lösen: die Dachfläche in Form halten und ihr Gewicht — Eigenlast, Schnee, Wind — in die tragenden Wände oder Decken darunter ableiten. Kein Bauteil davon steht für sich; jedes gibt Last an das nächste weiter.
Die Sparren liegen schräg in der Dachfläche und tragen unmittelbar die Lattung und die Deckung. Die Pfetten liegen waagerecht und stützen die Sparren von unten, damit diese nicht über ihre gesamte Länge frei durchhängen. Der Kehlbalken verbindet zwei gegenüberliegende Sparren horizontal und teilt ihre freie Länge, damit sie sich unter Last weniger durchbiegen. Wie diese drei Bauteilgruppen zusammenwirken, unterscheidet sich je nach Dachstuhlart — dazu weiter unten. Wichtig vorab: Franke liefert das Material für Lattung und Eindeckung auf diesem Tragwerk, nicht das Tragwerk selbst.

Die Begriffe im Überblick

Tragende Bauteile
12 Begriffe
Sparren · Pfette · Fußpfette · Mittelpfette · Firstpfette · Kehlbalken · Zange · Stuhlsäule · Schwelle · Gratsparren · Kehlsparren · First
Dachstuhlarten
5 Begriffe
Sparrendach · Kehlbalkendach · Pfettendach · stehender Stuhl · liegender Stuhl
Maße
5 Begriffe
Sparrenabstand · Sparrenlänge · Stützweite · Spannweite · Sparrenquerschnitt

Der Sparren: Spannweite vom First bis zur Traufe

Der Sparren ist das Bauteil, das die Dachhaut unmittelbar trägt. Er verläuft in der Fläche von der Traufe zum First und nimmt dort, wo First- oder Mittelpfette ihn stützen, einen Teil seiner Last ab — je nachdem, wie viele Auflager auf seiner Länge liegen, ist die verbleibende freie Strecke zwischen den Auflagern kürzer oder länger.
Diese freie Strecke, die Stützweite, bestimmt zusammen mit dem Sparrenabstand und der geplanten Dachlast den nötigen Querschnitt — genau wie bei der Dachlatte (Dachlatten), nur eine Ebene darunter und mit deutlich höherer Last. Der Sparrenquerschnitt ist deshalb keine Schätzgröße: Er steht in der Tragwerksplanung des jeweiligen Gebäudes und richtet sich nach Holzart, Sortierklasse, Stützweite und Lastannahme. Ein Sparren, der beim Neubau für eine leichte Deckung bemessen wurde, trägt nicht automatisch eine schwerere Deckung mit — diese Frage gehört an den Statiker, nicht in den Baumarkt.

Fußpfette, Mittelpfette und Firstpfette: die Pfettenlagen

Pfetten werden nach ihrer Lage im Dachstuhl benannt, und jede Lage hat eine eigene Aufgabe:
  • Die Fußpfette liegt am unteren Ende der Sparren, meist auf der
Außenwand, und leitet die Last dort in das Mauerwerk.
  • Die Mittelpfette stützt die Sparren auf halber Länge — sie ist das
Bauteil, das bei einem Pfettendach die Stützweite des Sparrens entscheidend verkürzt.
  • Die Firstpfette läuft am höchsten Punkt unter dem First und nimmt dort
die oberen Sparrenenden auf.
Nicht jeder Dachstuhl hat alle drei Lagen — ein reines Sparrendach kommt ohne Pfetten aus, dazu im Abschnitt zu den Dachstuhlarten mehr. Wo Pfetten vorhanden sind, ruhen sie ihrerseits entweder auf der Außenwand, auf Innenwänden oder auf Stuhlsäulen, die die Last bis zur tragenden Decke oder zum Fundament weiterleiten.

Kehlbalken, Zange, Stuhlsäule und Schwelle: die Aussteifung

Der Kehlbalken verbindet zwei gegenüberliegende Sparren waagerecht und verkürzt ihre freie Länge: Statt über die volle Strecke von der Traufe bis zum First zu spannen, wird der Sparren an dieser Stelle zusätzlich gehalten und biegt sich weniger durch. Im üblichen Kehlbalkendach wirkt er dabei überwiegend auf Druck; den Horizontalschub des Sparrenpaars nehmen die Fußpunkte beziehungsweise die Deckenbalken auf, nicht der Kehlbalken. Liegt der Kehlbalken tief genug, dient er zugleich als Balkenlage für eine Zwischendecke im Ausbau — das ist der Grund, warum Kehlbalken und Geschossdecke im Sprachgebrauch häufig verschmelzen, obwohl es unterschiedliche Funktionen sind.
Die Zange ist keine eigene Funktion, sondern eine Verbindungsform: zwei Hölzer, die ein Bauteil beidseitig in die Zange nehmen. Je nach Tragwerk nimmt sie Zug oder Druck auf und sichert gegen Kippen und Verschieben — wo sie als Zugband am Sparrenfuß liegt, hält sie den Horizontalschub zurück, den der Kehlbalken weiter oben gerade nicht aufnimmt.
Die Stuhlsäule ist der Stiel, der Pfetten oder einen Stuhlrahmen von unten abstützt und deren Last in tragende Wand oder Decke leitet. Beim stehenden Stuhl steht sie lotrecht, beim liegenden Stuhl schräg. Ihre Auflagerkraft verteilt die Schwelle — ein waagerechtes Holz, das die Last flächig aufnimmt, statt sie punktuell zu konzentrieren.
Diese Bauteile tragen ab; die räumliche Aussteifung entsteht erst aus ihrem geplanten Zusammenwirken mit Streben, Kopfbändern und Windrispen. Nicht jeder Dachstuhl hat davon alles.

Grat und Kehle: die Sonderbauteile an Dachecken und Einschnitten

Wo eine Dachfläche nicht einfach gerade verläuft, sondern an einer Ecke abgewalmt ist oder an einem Anbau einspringt, übernehmen Gratsparren und Kehlsparren die Aufgabe der normalen Sparren — nur diagonal statt rechtwinklig zum First. Der Gratsparren liegt an der nach außen gewölbten Kante, etwa am Walm eines Krüppelwalmdachs, der Kehlsparren an der nach innen liegenden Kante, etwa dort, wo ein Anbaudach auf die Hauptfläche trifft.
Beide Bauteile tragen höhere Lasten als ein gewöhnlicher Sparren, weil an ihnen mehrere kürzere Sparren aus der angrenzenden Fläche zusammenlaufen und ihre Last abgeben. Entsprechend kräftiger sind Grat- und Kehlsparren in der Regel dimensioniert — ein Umstand, der bei jeder Betrachtung der Tragfähigkeit an diesen Stellen zu berücksichtigen ist, insbesondere bei nachträglichen Dachfenstern oder Durchbrüchen in Ecknähe.

Sparrendach, Kehlbalkendach, Pfettendach: drei Dachstuhlarten

Die drei gängigen Bauformen unterscheiden sich danach, wie die Sparrenlast abgetragen wird:
DachstuhlartWie die Last abgetragen wirdTypisches Merkmal
SparrendachSparrenpaare stützen sich gegenseitig ab, ohne Kehlbalken und ohne PfettenKurze bis mittlere Spannweiten, völlig freier Dachraum
KehlbalkendachWie das Sparrendach, zusätzlich waagerechte Kehlbalken, die die freie Sparrenlänge verkürzenGrößere Spannweiten; grundsätzlich ohne Stützen möglich
PfettendachPfetten (Fuß-, Mittel-, Firstpfette) stützen die Sparren, oft auf StuhlkonstruktionenSparren wirken schlanker, Auflager sichtbar in der Fläche
Die Bauform ist keine Stilfrage, sondern eine Lastfrage: Sie wurde beim Bau nach Spannweite, Deckung und den örtlichen Lastannahmen gewählt. Für den Ausbau ist relevant, welche Bauteile in der jeweiligen Form vorhanden sind und wie sie zusammenwirken — dazu der nächste Abschnitt.
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Woran sich die Dachstuhlart im Bestand erkennen lässt

Im ausgebauten Dachraum führt der Blick zuerst auf die Pfette, nicht auf die senkrechten Hölzer: Eine Pfette läuft parallel zu First und Traufe und trägt dabei sichtbar mehrere Sparren von unten. Findet sich so ein Holz, liegt ein Pfettendach nahe. Stützen lotrechte Stiele diese Pfette, ist es ein stehender Stuhl; stehen sie schräg, ein liegender.
Verbinden stattdessen waagerechte Balken jeweils zwei gegenüberliegende Sparren auf halber Höhe, spricht das für ein Kehlbalkendach — auch das kann zusätzlich einen Stuhl haben. Ein reines Sparrendach lässt sich erst feststellen, wenn das Sparrenpaar seine Last ohne jede stützende Pfette abträgt. Ein einzelnes senkrechtes Holz allein beweist gar nichts: Es kann eine Stuhlsäule sein, eine Verkleidung verbergen oder zu einer Mischform gehören.
Diese Einordnung hilft bei der ersten Orientierung, ersetzt aber keine Bestandsaufnahme durch einen Fachmann: Mischformen sind verbreitet, gerade bei nachträglich verstärkten oder erweiterten Dachstühlen, und was auf den ersten Blick wie eine Pfette aussieht, kann auch ein nachträglich eingezogener Unterzug sein.

Was tragend ist und beim Ausbau nicht entfernt werden darf

Als Faustregel gilt: Alles, was Last von einem Bauteil auf ein anderes überträgt, ist tragend — Sparren, Pfetten, Kehlbalken, Zangen, Stuhlsäulen und Schwellen gehören grundsätzlich dazu. Nicht tragend sind in der Regel nachträglich eingezogene Verkleidungen und Zwischenwände, die keine Dachlast aufnehmen.
Vorsicht bei Abstützungen, die provisorisch aussehen. Genau die können eingebaut worden sein, weil ein Bauteil darüber die Last sonst nicht trägt — etwa nach einem Schaden oder einem früheren Umbau. Bis ein Statiker oder Zimmerer das Gegenteil feststellt, wird jede Abstützung als tragend behandelt und bleibt stehen.
Der Umkehrschluss trägt aber nicht: Ein Bauteil, das „im Weg steht" und optisch entbehrlich wirkt, ist damit noch nicht ungefährlich zu entfernen. Ein Kehlbalken, der als störender Querbalken empfunden wird, ist genau das Bauteil, das die Sparren auf halber Höhe hält und ihre Durchbiegung begrenzt. Wird er entfernt oder durchtrennt, spannt der Sparren wieder über die volle Länge und die Last verschiebt sich schleichend — sichtbar wird das oft erst Jahre später an einer nach außen gedrückten Wand oder einer durchhängenden Firstlinie. Jede Veränderung an einem tragenden Bauteil gehört deshalb vorher auf den Tisch eines Statikers oder Zimmerers, nicht danach.

Der Sparrenabstand und seine Folgen für Lattung und Ausbau

Der Sparrenabstand — die Distanz von Sparrenmitte zu Sparrenmitte — ist die Maßgröße, die zwei ganz unterschiedliche Gewerke betrifft. Für die Eindeckung bestimmt er den nötigen Querschnitt der Dachlatten: Größerer Abstand heißt größere Stützweite für die Latte und damit einen kräftigeren Querschnitt, wie bei Dachlatten beschrieben.
Für den Innenausbau bestimmt derselbe Abstand, wie die Zwischensparrendämmung zugeschnitten wird und wie eng die Gefache für die Dämmplatten oder -matten ausfallen. Ein unregelmäßiger Sparrenabstand — bei älteren Dachstühlen keine Seltenheit — bedeutet Zuschnittarbeit an jedem einzelnen Gefach statt eines durchlaufenden Rastermaßes. Vor jeder Material- oder Mengenplanung, ob für Latten oder für Dämmung, wird deshalb der tatsächliche Abstand an mehreren Stellen der Fläche gemessen, nicht angenommen.

Wo die Eigenleistung beim Dachausbau endet

Vieles am Dachausbau lässt sich in Eigenleistung erledigen: Dämmung zuschneiden und einbringen, Innenverkleidung montieren, Dampfbremse verlegen. Sobald aber ein Bauteil des Tragwerks selbst betroffen ist, endet diese Grenze — unabhängig davon, wie geübt die ausführende Person ist.
Ein Statiker wird gebraucht, sobald eine geplante Änderung die Lastabtragung berührt: ein zusätzlicher Durchbruch für ein Dachfenster zwischen zwei Sparren, ein entfallender Kehlbalken für mehr Kopfhöhe, eine schwerere Eindeckung auf einem für ein leichteres Material bemessenen Dachstuhl, ein nachträglicher Kniestock. Ein Zimmerer wird gebraucht, sobald ein Bauteil tatsächlich bearbeitet, verstärkt, ausgetauscht oder neu eingebaut wird — die statische Freigabe sagt, was möglich ist, die handwerkliche Ausführung macht es fachgerecht.
Beide Rollen ersetzen sich nicht gegenseitig: Eine Freigabe ohne fachgerechte Ausführung bleibt Theorie, eine Ausführung ohne vorherige Freigabe ist ein Risiko, das sich erst Jahre später zeigt. Wo diese Grenze im Einzelfall verläuft, lässt sich nicht pauschal sagen — im Zweifel ist die Frage an den Fachmann immer die günstigere Option gegenüber einer Nachbesserung am fertigen Ausbau.
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Was beachtet werden muss

Statik geht vor Ausbauwunsch
Jede Änderung an Sparren, Pfetten, Kehlbalken, Zangen, Stuhlsäulen oder Schwellen — Entfernen, Durchtrennen, Anbohren für einen Durchbruch — verlangt vorab die Einschätzung eines Statikers oder Zimmerers. Das gilt auch, wenn das Bauteil auf den ersten Blick überflüssig wirkt.
Zusätzliche Last vorab prüfen
Ein Dachausbau, eine schwerere Neueindeckung oder eine nachträgliche Solaranlage verändern die Last auf dem vorhandenen Tragwerk. Ob der Dachstuhl das aufnimmt, ist keine Frage, die sich von außen beantworten lässt — sie gehört in die Tragwerksplanung.
Altbestand und Asbest
Beim Öffnen der Verkleidung eines älteren Dachstuhls können ältere Baustoffe zum Vorschein kommen, die mit dem Tragwerk selbst nichts zu tun haben, aber vor jedem weiteren Eingriff geklärt werden müssen: Material, das bis einschließlich 1993 eingebaut wurde, gilt als asbestverdächtig, bis verlässliche Bau- und Produktunterlagen oder eine Materialprobe im Labor das Gegenteil zeigen. Umgang und Entsorgung nach TRGS 519 durch einen dafür qualifizierten und ausgerüsteten Fachbetrieb.
Zugang zum Dachraum und zur Dachfläche
Arbeiten im Dachraum selbst sind kein Thema der Absturzsicherung an der Fläche — wohl aber jede Kontrolle von außen, etwa am First oder an der Traufe. Dort gilt: Die Dachfläche ist keine Verkehrsfläche, und die Leiter ist ein Zugangsmittel, kein Arbeitsplatz.
Technische Sicherung hat dabei Vorrang vor persönlicher Schutzausrüstung: Gerüst, Arbeitsbühne oder Laufbohle zuerst. Ein Auffangsystem ersetzt den sicheren Standplatz nicht — es fängt den Sturz auf, es verhindert ihn nicht.

Wo die Eigenleistung endet

Statik und Tragwerk gehören zu den Punkten, die grundsätzlich nicht in Eigenleistung entschieden werden — unabhängig davon, wie eindeutig ein Bauteil aussieht. Franke liefert nach der Freigabe das Material für Lattung und Eindeckung, nicht die statische Beurteilung selbst.
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