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Von Franke Baustoffe
24. Aug. 2026 10 Min. Lesezeit

Dachfirst abdichten: Trockenfirst statt Mörtel

Trockenfirst gegen Mörtelfirst — und warum der Dachfirst der Luftauslass der gesamten Dachfläche ist
Der First ist die obere Schnittkante zweier Dachflächen — und der Luftauslass der ganzen Konstruktion. Wer ihn zumörtelt, verschließt genau die Öffnung, über die das Dach trocknet.
2 Prinzipien im Vergleich
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Der Dachfirst als obere Schnittkante zweier Dachflächen

Der Dachfirst ist die obere waagerechte Kante, an der zwei geneigte Dachflächen aufeinandertreffen — bei einem Satteldach die durchgehende Linie von einem Ortgang zum anderen, bei komplexeren Dachformen ein Abschnitt, der in einen Grat übergeht. Er ist damit das Gegenstück zur Traufe (Traufe am Dach) am unteren Ende derselben Dachfläche und trifft an seinen Enden auf den Ortgang (Ortgangblech am Ziegeldach).
Konstruktiv ist der Dachfirst die Stelle, an der beide Dachflächen offen aufeinandertreffen: Ohne einen Abschluss läge hier eine durchgehende Fuge, durch die Wasser, Flugschnee und Wind ungehindert eindringen könnten. Der First schließt diese Fuge — und übernimmt dabei zugleich eine zweite Aufgabe, die auf den ersten Blick nicht sichtbar ist: Er ist der Luftauslass der Belüftungsebene, die an der Traufe beginnt.

Die Bauteile am First

Bauteile
11 Begriffe
Dachfirst · First · Firstlatte · Firstlattenhalter · Firstband · Firstrolle · Firstklammer · Firstziegel · Firstendscheibe · Grat · Gratziegel
Ausführungsarten
3 Begriffe
Trockenfirst · Mörtelfirst · Firstsystem
Belüftung
6 Begriffe
Belüftungsebene · Luftauslass · Lüftungsquerschnitt · Zuluft an der Traufe · Konterlattung · Kondensat

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Trockenfirst gegen Mörtelfirst: zwei Prinzipien im Vergleich

Für den First gibt es zwei grundsätzlich unterschiedliche Ausführungen, und der Unterschied liegt nicht in der Optik, sondern im Prinzip:
AusführungPrinzip
Trockenfirstmechanische Befestigung über Firstlatte, Firstband und Firstklammer, ohne Mörtel
MörtelfirstFirstziegel werden in Mörtelbett gesetzt und starr verbunden
Der Mörtelfirst ist die ältere Bauweise. Er verbindet die Firstziegel starr mit der Unterkonstruktion und lässt keine Bewegung zu — ein Problem, das im Abschnitt zu den aufreißenden Mörtelfirsten weiter unten erklärt wird. Der Trockenfirst hat sich als Regelausführung durchgesetzt, weil er zwei Dinge gleichzeitig kann, die sich beim Mörtelfirst ausschließen: die Ziegel gegen Windsog sicher fixieren und gleichzeitig eine offene, belüftete Fuge für den Luftaustausch lassen. Bei einer Sanierung ist die Umstellung von Mörtel- auf Trockenfirst deshalb häufig der erste Schritt, noch bevor an der Fläche selbst etwas verändert wird.

Wie der Dachfirst aufgebaut ist: von Firstlatte zu Firstziegel

Von der Unterkonstruktion zur sichtbaren Deckung sitzen beim Trockenfirst folgende Bauteile in dieser Reihenfolge:
01
Firstlatte
eine Latte, die über sogenannte Firstlattenhalter auf der obersten Sparrenreihe montiert wird, in einem definierten Abstand über der Dachfläche.
02
Firstlattenhalter
Metallhalter, die die Firstlatte auf dem nötigen Abstand zur Dachfläche fixieren und dabei den freien Querschnitt für die Entlüftung offen halten.
03
Firstband beziehungsweise Firstrolle
ein flexibles, meist luftdurchlässiges Band, das den offenen Spalt zwischen den beiden Dachflächen abdeckt, Wasser und Flugschnee abhält, Luft aber durchlässt.
04
Firstklammer
die Befestigung, die den Firstziegel gegen Windsog sichert, ohne ihn starr mit der Unterkonstruktion zu verbinden.
05
Firstziegel
der sichtbare Abschluss, der über beide Dachflächen greift und auf der Firstlatte aufliegt.
Diese Abfolge macht den Trockenfirst zu einem System, bei dem jedes Bauteil eine Aufgabe hat: Der Halter schafft den Abstand, das Band dichtet gegen Wasser, ohne Luft abzuschneiden, und die Klammer hält den Ziegel, ohne ihn festzukleben. Wird eines dieser Bauteile weggelassen oder durch eine Behelfslösung ersetzt, fällt in der Regel genau die Funktion weg, für die es eingebaut wurde — ein zu dicht verklebtes Firstband etwa dichtet zwar gegen Wasser, unterbricht aber den Luftstrom.

Firstklammer und Firstband: die Befestigung gegen Windsog

Der First liegt am höchsten Punkt der Dachfläche und ist damit — ähnlich wie der Ortgang, aber aus einer anderen Richtung angeströmt — einer erhöhten Windlast ausgesetzt. Die Firstklammer ist das Bauteil, das dieser Last standhält: Sie greift am Firstziegel und an der Firstlatte und verhindert, dass der Ziegel bei Sog angehoben wird, ohne dabei die Beweglichkeit zu verlieren, die der Trockenfirst gegenüber dem Mörtelfirst gerade auszeichnet.
Das Firstband ergänzt diese mechanische Sicherung um die Dichtigkeit: Es liegt lose genug auf, um sich mit Temperaturschwankungen zu bewegen, und dicht genug an, um Schlagregen und Flugschnee nicht durchzulassen. Gesichert wird jeder einzelne First- und Gratstein — mit der Klammer, Schraube oder Kombinationsbefestigung, die das gewählte System dafür vorsieht. Es ist also keine Frage einer Menge je laufendem Meter, sondern der elementweisen Befestigung nach Verlegeanleitung.

Der Dachfirst als Luftauslass der Belüftungsebene

Der Dachfirst ist der zweite Pol des Luftkreislaufs, der an der Traufe beginnt: Kalte Außenluft tritt unten in die Belüftungsebene ein, nimmt auf dem Weg nach oben Feuchte aus Bahn, Dämmung und Konterlattung auf und verlässt das Dach am First wieder — mit der Feuchte, die sie unterwegs aufgenommen hat. Wie dieser Luftstrom an der Traufe beginnt, steht in Traufe am Dach; die Funktionsweise der Dachentlüftung insgesamt in Dachentlüftung am Ziegeldach.
Damit dieser Kreislauf funktioniert, muss der First tatsächlich offen bleiben — genau der Punkt, an dem ein Mörtelfirst systematisch versagt und ein Trockenfirst mit Firstband und Firstlattenhalter seine Aufgabe erfüllt. Der Lüftungsquerschnitt am First ist eine feste Zahl. DIN 4108-3 verlangt bei Dachneigungen ab 5° am First und am Grat mindestens 0,5 ‰ der zugehörigen geneigten Dachfläche, mindestens aber 50 cm² je Meter First. An der Traufe ist es das Vierfache — 2 ‰ und mindestens 200 cm² je Meter. Der Grund liegt in der Strömung: Die Zuluft muss über die gesamte Fläche verteilt eintreten und dabei Reibungsverluste überwinden, während die erwärmte Abluft am First durch den Auftrieb konzentriert austritt. Der größere Zuluftquerschnitt ist die Reserve für diesen Weg. Die Belüftungsebene dazwischen braucht mindestens 2 cm freie Höhe; örtliche Einengungen lässt die Norm zu.
Für die Eigenleistung heißt das: Der First darf weder durch zu eng montierte Firstlattenhalter noch durch ein aufgeklebtes statt aufgelegtes Firstband verschlossen werden. 50 cm² je Meter First entsprechen einem durchgehenden Spalt von 5 mm Höhe — wenig, aber eben nicht null. Daran gemessen ist ein in Mörtel gesetzter First kein knapper Fall, sondern gar kein Lüftungsquerschnitt.
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Firstanfang und Firstende mit der Firstendscheibe

An beiden Enden des Firstes — dort, wo er auf den Ortgang oder auf einen Walm trifft — braucht die offene Firstrolle einen Abschluss, damit dort kein Wind unter das Band greift oder Kleintiere eindringen. Diese Aufgabe übernimmt die Firstendscheibe, ein Formteil, das den offenen Querschnitt am Ende der Firstreihe schließt, ohne den Luftaustausch in der Fläche selbst zu behindern.
Firstanfang und Firstende sind damit keine beliebige Stelle, an der die Reihe einfach aufhört, sondern ein eigener Anschlusspunkt, der beim Materialbedarf mitgeplant wird — wie viele Firstendscheiben nötig sind, hängt von der Zahl der Firstenden am jeweiligen Dach ab, nicht von der Firstlänge. Bei einem einfachen Satteldach sind das in der Regel zwei Stellen; bei Walmdächern und Dächern mit mehreren Firstlinien entsprechend mehr.

Der Übergang vom Dachfirst zum Grat

Bei Walmdächern und anderen Dachformen mit mehr als zwei Dachflächen geht der Dachfirst nicht in einen Ortgang, sondern in einen Grat über — die schräg verlaufende Kante, an der zwei Dachflächen mit unterschiedlicher Ausrichtung aufeinandertreffen. Der Übergang von der waagerechten Firstlinie in die schräg abfallende Gratlinie ist konstruktiv der komplizierteste Punkt am First: Firstlatte und Gratlatte treffen in einem Winkel aufeinander, und Firstklammern sowie Gratziegel müssen an dieser Stelle passgenau ineinandergreifen.
Weil dieser Übergang je nach Dachform und Ziegelmodell unterschiedlich gelöst wird, gehört er nicht zur allgemeinen Beschreibung des Trockenfirsts, sondern zur konkreten Verlegeanleitung des jeweiligen Ziegelherstellers. Wichtig für die Materialplanung ist nur: An jedem First-Grat-Übergang wird zusätzliches Formmaterial gebraucht, das sich nicht aus der reinen Firstlänge herleiten lässt.

Warum Mörtelfirste aufreißen

Ein Mörtelfirst verbindet die Firstziegel starr mit der darunterliegenden Konstruktion. Genau diese Starrheit ist sein grundlegendes Problem: Dach und Ziegel bewegen sich mit Temperaturwechseln — Ausdehnung im Sommer, Zusammenziehen im Winter, Setzungen im Dachstuhl über die Jahre. Ein starr vermörtelter First kann diese Bewegung nicht mitmachen und reißt an den Fugen zwischen den Ziegeln auf.
Ist die Fuge erst einmal offen, verstärkt sich das Problem selbst: Wasser dringt in den Riss ein, gefriert im Winter, der Riss wird größer, und gleichzeitig ist der First an dieser Stelle nicht mehr dicht gegen Flugschnee und Schlagregen. Hinzu kommt der zweite, weniger offensichtliche Effekt: Ein Mörtelbett schließt die Fuge zwischen den Dachflächen vollständig, sodass die Belüftungsebene keinen Auslass mehr hat — die Luft, die an der Traufe eintritt, staut sich unter dem First, statt zu entweichen. Ein Trockenfirst umgeht beide Probleme grundsätzlich, weil Firstband und Firstklammer Bewegung zulassen und gleichzeitig einen offenen Lüftungsquerschnitt erhalten — das ist der Hauptgrund, warum der Trockenfirst inzwischen die Regelausführung ist und ein bestehender Mörtelfirst bei einer Sanierung in aller Regel auf ein Trockensystem umgestellt wird.

Was Material für den Dachfirst kostet

Firstziegel und Gratziegel werden nach Stück gehandelt, Firstband nach laufenden Metern, Firstlattenhalter und Firstklammern nach Stück. Der Materialaufwand für den Dachfirst ist im Vergleich zur gesamten Dacheindeckung gering — die Folgekosten eines aufreißenden Mörtelfirsts oder einer verschlossenen Belüftung in der Regel deutlich höher.
Firstsystem16,50–43,35 €/Stk.
40 aktive Artikel: Firstlattenhalter, Rollenband, Klammern.
Firstziegel15,45–38,15 €/m²
Passend zum Deckmaterial, aus dem Ziegelsortiment.
Preise aus dem Franke-Sortiment, Stand 24. August 2026, brutto. Spannen über die aktiven Artikel der jeweiligen Warengruppe.
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Was beachtet werden muss

Arbeitshöhe

Der First liegt am höchsten Punkt der Dachfläche. Gearbeitet wird von Gerüst oder Arbeitsbühne aus, nie über die Dachfläche selbst, die keine Verkehrsfläche ist. Eine Leiter reicht für Arbeiten am First nicht — sie ist ein Zugangsmittel, kein Arbeitsplatz für Arbeiten in dieser Höhe und über diese Fläche.
Technische Sicherung hat dabei Vorrang vor persönlicher Schutzausrüstung: Gerüst, Arbeitsbühne oder Laufbohle zuerst. Ein Auffangsystem ersetzt den sicheren Standplatz nicht — es fängt den Sturz auf, es verhindert ihn nicht.
Photovoltaik im Bestand
Sitzt eine Modulanlage nahe am First, ist ein Firstziegel darunter ohne Modulabnahme nicht erreichbar. Module nimmt kein Laie ab — die DC-Seite bleibt spannungsführend, solange Licht auf das Modul fällt. Arbeiten am First rund um ein Modulfeld sind Sache der Fachfirma.
Gewährleistung
Lüftungsquerschnitt, Abstand der Firstlattenhalter und die Zahl der Firstklammern stehen in der Verlegeanleitung des Ziegelherstellers. Wer davon abweicht, verliert im Schadensfall das Argument gegenüber dem Hersteller.
Altbestand
Wird ein bestehender First zurückgebaut — alter Mörtelfirst, alte Firstziegel, alte Bahnen —, gilt bei Material aus der Zeit bis einschließlich 1993: Es gilt bis zum Nachweis des Gegenteils als asbestverdächtig. Geklärt wird das zuerst über die Bau- und Produktunterlagen; reichen sie nicht, folgt eine Materialprobe im Labor. Umgang und Entsorgung nach TRGS 519 durch einen dafür qualifizierten und ausgerüsteten Fachbetrieb — diese Frage steht vor dem ersten Eingriff.
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