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Von Franke Baustoffe
24. Aug. 2026 9 Min. Lesezeit

Dachentlüftung am Ziegeldach: Traufe bis First

Warum ein Steildach eine durchgehende Luftströmung von der Traufe zum First braucht — und was passiert, wenn sie fehlt
Ein Steildach trocknet über eine Luftströmung von unten nach oben. Fehlt sie oder ist sie zugesetzt, hilft die beste Dämmung nichts — die Feuchte bleibt in der Konstruktion.
4 Bauarten im Vergleich
3 Querschnittsregeln
1.421 Durchführungen

Warum ein Steildach eine Luftströmung braucht

Unter einer Ziegel- oder Steindeckung liegt keine geschlossene, trockene Zone, sondern ein Raum, in den ständig Feuchtigkeit hineingelangt — von außen durch feinen Flugschnee und Windfeuchte zwischen den Deckungselementen, von innen als Wasserdampf, der aus beheizten Räumen durch die Dämmebene diffundiert. Ohne einen Weg nach draußen sammelt sich diese Feuchte in der Konstruktion.
Der Weg nach draußen ist eine durchgehende Luftströmung, die kühlere, trockenere Luft am unteren Ende des Daches aufnimmt und feuchtere, wärmere Luft am oberen Ende wieder abgibt. Diese Strömung entsteht nicht von selbst — sie braucht eine offene Ebene, in der sich die Luft überhaupt bewegen kann, und zwei Öffnungen, an denen sie ein- und austritt.
Das betrifft nicht nur die kalte Jahreszeit, in der Feuchte am ehesten vermutet wird. Auch im Sommer sorgt die Luftströmung dafür, dass sich der Raum unter der Deckung nicht aufheizt wie ein geschlossener Hohlraum: Ohne durchströmende Luft staut sich Wärme unter den Ziegeln, und diese Wärme wirkt über die Dämmebene bis in den darunterliegenden Wohnraum. Die Dachentlüftung ist damit nicht ausschließlich eine Feuchteschutz-, sondern auch eine Klimafrage — beide Effekte hängen an derselben Ebene und derselben Öffnung.

Die Bauteile der Dachentlüftung

Prinzip
7 Begriffe
Dachentlüftung · Zuluft · Abluft · Luftströmung · belüftetes Dach · unbelüftetes Dach · Hinterlüftung
Bauteile
8 Begriffe
Lüfterziegel · Dunstrohrstein · First · Firstlüftung · Traufe · Traufblech · Konterlattung · Lüftungsquerschnitt
Sonderfall
4 Begriffe
Entlüftung von Abwasserleitungen · Dunstrohr · Grundleitung · Abwasseranlage

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Zuluft an der Traufe, Abluft am First: das Funktionsprinzip

Das Prinzip folgt der einfachsten Regel der Thermik: Warme Luft steigt. An der Traufe strömt kühlere Außenluft in die Belüftungsebene ein, sie erwärmt sich auf dem Weg über die Dachfläche, nimmt Feuchtigkeit auf und verlässt das Dach am First wieder — dort, wo sie am wärmsten und am weitesten oben ist.
Damit das funktioniert, müssen beide Enden offen sein und die Ebene dazwischen frei bleiben. Ist die Traufe zugesetzt — etwa durch eine Dämmung, die bis an die Dachhaut reicht, oder durch ein falsch montiertes Traufblech —, fehlt der Strömung die Zuluft. Ist der First blockiert, fehlt ihr der Ausgang. In beiden Fällen bricht die Strömung zusammen, auch wenn der Rest der Fläche technisch belüftet wäre.

Belüftetes und unbelüftetes Dach im Vergleich

Nicht jedes Steildach arbeitet nach diesem Prinzip. Es gibt zwei grundsätzlich verschiedene Konstruktionsweisen, und beide sind zulässig, solange sie konsequent durchgeführt werden:
MerkmalBelüftetes DachUnbelüftetes Dach
Belüftete Ebene unter der Bahn (zwischen Dämmung und Unterdeckung)vorhanden, mit Zu- und Abluftnicht vorhanden
Hinterlüftung über der Bahn (Konterlattenebene)vorhandenebenfalls vorhanden — sie gehört zu beiden Bauarten
Feuchteabtransport aus der Dämmebeneüber die Luftströmung darunterüber den Aufbau selbst, diffusiv nach außen
Typischer AufbauZwischensparrendämmung mit Abstand zur BahnVollsparren- oder Aufsparrendämmung, Bahn liegt auf der Dämmung

Nicht verwechseln

Die Hinterlüftung über der Unterdeckbahn — die Konterlattenebene — hat jedes Steildach mit Deckung auf Lattung, auch das unbelüftete. Was die beiden Bauarten unterscheidet, ist allein die Luftschicht unter der Bahn. Und in beiden Fällen gilt: Die innere Ebene muss planmäßig luftdicht sein. Ein belüfteter Aufbau verzeiht keine Löcher in der Dampfbremse — durch eine Fuge strömt konvektiv ein Vielfaches der Feuchte, die eine Belüftung wegtransportieren kann.
Der entscheidende Fehler entsteht, wenn beide Prinzipien unbeabsichtigt gemischt werden — etwa wenn bei einer nachträglichen Dämmung ein Luftraum verschwindet, der Aufbau aber weiterhin auf eine Hinterlüftung angewiesen ist. Diese Frage gehört in die Planung jeder Innendämmung (siehe Dach von innen dämmen), nicht in die nachträgliche Korrektur.

Der Lüftungsquerschnitt: was die Fachregeln vorgeben

Der Lüftungsquerschnitt ist die freie Fläche, durch die Luft an Traufe und First tatsächlich ein- und austreten kann — bestimmt vor allem durch die Höhe der Konterlatte (siehe Konterlattung) und die Ausführung der Öffnungen an Traufe und First.
Wie groß dieser Querschnitt sein muss, steht als Zahl in DIN 4108-3:2024-03 — und zwar unabhängig von der Deckungsart:
StelleAnteil der geneigten DachflächeMindestwert
Traufe, Pultabschluss≥ 2 ‰200 cm² je Meter
First, Grat≥ 0,5 ‰50 cm² je Meter
Belüftungsebene dazwischen2 cm freie Höhe (örtliche Einengungen sind zulässig)
Das gilt ab 5° Dachneigung. Flacher als 5° gelten eigene Bedingungen: Der Lüftungsweg darf höchstens 10 m lang sein, die gegenüberliegenden Öffnungen brauchen wieder 2 ‰ beziehungsweise 200 cm² je Meter, und die freie Höhe im Zwischenraum muss 2 ‰ der Länge betragen, mindestens 5 cm.
Die Promilleangabe und der Mindestwert stehen nebeneinander — maßgeblich ist der jeweils größere. Bei kurzen Sparren gewinnt der Mindestwert, bei langen die Promilleangabe: 2 ‰ von 10 m Sparrenlänge sind 200 cm² je Meter, genau der Umschlagpunkt. Ergänzend gilt die Verlegeanleitung des Ziegelherstellers, wo sie für das jeweilige Deckungssystem zusätzliche Vorgaben enthält.

Sparrenlänge und Dachfläche bestimmen den Querschnitt

Zwei Größen beeinflussen den nötigen Querschnitt besonders stark: Je länger der Weg, den die Luft vom Trauf- bis zum Firstpunkt zurücklegen muss, desto mehr Zeit hat sie, sich zu erwärmen und Feuchte aufzunehmen — und desto größer muss die Ebene sein, die diese Luftmenge tatsächlich fassen kann. Ebenso wächst mit der Dachfläche insgesamt die Menge an Feuchte, die abtransportiert werden muss.
Bei langen Sparren oder großen zusammenhängenden Flächen reicht der Querschnitt, der für ein kleines Dach ausreichen würde, oft nicht mehr aus. In solchen Fällen können zusätzliche Maßnahmen nötig werden, etwa weitere Öffnungen in der Fläche — eine feste Pflicht zur „Zwischenlüftung" gibt es allerdings nicht. Ob das im konkreten Fall nötig ist, ergibt sich aus der Berechnung für die tatsächliche Sparrenlänge, nicht aus der Erfahrung mit einem anderen, kürzeren Dach.
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Lüfterziegel und Dunstrohrsteine: wo sie sitzen

Wo die Belüftungsebene selbst nicht ausreicht, um genug Luft ein- oder austreten zu lassen — etwa weil First oder Traufe konstruktiv nicht durchgehend offen ausgeführt werden können —, ergänzen Lüfterziegel die Deckung. Sie sehen aus wie der reguläre Ziegel des jeweiligen Modells, haben aber eine eingearbeitete Öffnung, über die zusätzliche Luft entweichen kann.
Ihre Position ist nicht beliebig: Lüfterziegel sitzen im oberen Drittel der Dachfläche, nahe genug am First, um die dort aufsteigende warme, feuchte Luft tatsächlich abzuführen. Weiter unten in der Fläche eingesetzt, leisten sie wenig, weil die Luft dort noch nicht die nötige Auftriebskraft entwickelt hat.
Dunstrohrsteine sind eine eigene Bauform desselben Prinzips: Sie schaffen eine formschlüssige, wetterdichte Öffnung in der Deckung, durch die ein Rohr geführt wird — nicht für die allgemeine Dachentlüftung, sondern für den nächsten Abschnitt.

Entlüftung von Abwasserleitungen über das Dach als eigener Fall

Ein eigener Fall, der mit der Dachentlüftung im engeren Sinn nichts zu tun hat, aber dieselben Dachdurchdringungen nutzt: Abwasserleitungen im Gebäude brauchen eine eigene Entlüftung, damit Gerüche nicht in die Wohnräume zurückgedrückt werden und der Abfluss nicht durch einen Unterdruck gehemmt wird. Diese Entlüftung wird häufig über das Dach geführt — als Dunstrohr, das durch einen Dunstrohrstein in der Deckung austritt.
Diese Leitung führt Luft aus der Grundleitung und dem Abwassersystem ab, nicht Luft aus der Belüftungsebene unter der Deckung. Beide Durchdringungen sitzen zwar oft in Firstnähe nebeneinander, sind aber funktional getrennt: Die eine entlüftet den Dachaufbau, die andere die Abwasseranlage. Der Anschluss an die Grundleitung selbst ist eine Sanitärarbeit und liegt außerhalb dessen, was am Dach in Eigenleistung erledigt wird.

Was passiert, wenn die Lüftungsebene zugesetzt ist

Ist die Luftströmung unterbrochen — durch eine bis an die Bahn reichende Dämmung, eine zugesetzte Traufe, einen blockierten First oder eine zu niedrige Konterlattung —, verschwindet die Feuchtigkeit nicht einfach. Sie bleibt in der Konstruktion und zeigt sich mit Verzögerung:
Frühes AnzeichenFortgeschrittener Zustand
feuchte Flecken auf der Innenseite der Unterspannbahndurchfeuchtete Dämmung, spürbarer Verlust der Dämmwirkung
müffelnder Geruch im Dachraumsichtbarer Schimmel an Sparren und Schalung
beschlagene Dachfenster von innenFäulnis am Sparren, tragende Substanz betroffen
Diese Kette beginnt oft unbemerkt, weil die ersten Anzeichen im nicht ausgebauten Dachraum kaum auffallen. Sichtbar wird sie meist erst, wenn eine Fläche für eine Innendämmung geöffnet wird (siehe Dach von innen dämmen) — dann zeigt sich, ob die Belüftungsebene über Jahre funktioniert hat oder nicht.

Was die Nachrüstung am Bestandsdach kostet

Lüfterziegel werden wie reguläre Ziegel je Stück gehandelt und passend zum verlegten Ziegelmodell aus demselben Ziegelstamm bezogen; Dunstrohrsteine richten sich nach dem Durchmesser des vorhandenen Rohrs.
Lüfter und Durchführungen83,95–161,95 €/Stk.
1.421 Artikel, modellgebunden zum Deckmaterial.
Traufsystem16,50–43,35 €/Stk.
Lüftungsgitter und Traufkämme für die Zuluft.
Preise aus dem Franke-Sortiment, Stand 24. August 2026, brutto. Spannen über die aktiven Artikel der jeweiligen Warengruppe.
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Was beachtet werden muss

Betreten der Dachfläche
Lüfterziegel sitzen im oberen Drittel der Fläche, oft in Firstnähe — nicht erreichbar ohne Gerüst, Arbeitsbühne oder Laufbohle über mindestens zwei Auflager. Die Leiter ist ein Zugangsmittel, kein Arbeitsplatz, und dient nur dem kurzen Zugang, nicht dem Arbeiten in dieser Höhe. Technische Sicherung geht dabei vor persönlicher Schutzausrüstung: Gerüst, Arbeitsbühne oder Laufbohle zuerst; ein Auffangsystem ersetzt den sicheren Standplatz nicht, sondern fängt den Sturz auf.
Dämmung vor Lüfterziegel
Ob eine Fläche zusätzliche Lüfterziegel braucht, entscheidet sich erst, wenn der Lüftungsquerschnitt für Sparrenlänge und Dachfläche bekannt ist. Ein Lüfterziegel gleicht keinen grundsätzlich zu niedrigen Querschnitt aus, sondern ergänzt eine im Grundsatz funktionierende Belüftungsebene.
Sonderfall Abwasserentlüftung
Der Anschluss eines Dunstrohrs an die Grundleitung ist eine Sanitärarbeit und keine Dacharbeit. Am Dach wird nur die wetterdichte Durchdringung mit dem Dunstrohrstein hergestellt.
Altbestand
Bei einer Sanierung, die die Dämmebene oder die Unterspannbahn betrifft, kann unter einer alten Deckung Material aus einer Zeit stecken, in der Bahnen, Kleber und Spachtelmassen noch asbesthaltig ausgeführt wurden. Bei Bauteilen aus der Zeit bis einschließlich 1993 gilt: Klärung über eine Materialprobe im Labor, Umgang und Entsorgung nach TRGS 519 durch einen dafür qualifizierter Fachbetrieb — vor dem ersten Eingriff.
Gewährleistung
Eine unterdimensionierte oder unterbrochene Lüftungsebene ist im Schadensfall schwer nachträglich zu belegen, weil die Ursache oft erst Jahre später sichtbar wird. Die Berechnung nach Fachregel und Verlegeanleitung ist deshalb Teil der Dokumentation, nicht nur der Ausführung.
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