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Von Franke Baustoffe
24. Aug. 2026 9 Min. Lesezeit

Stegplatten: Stärke, Spannweite und Profile

Wie eine Hohlkammerplatte aufgebaut ist, warum die Stirnseiten über die Haltbarkeit entscheiden und welches Profil zu welcher Verlegung gehört
Die Stegplatte ist ein Hohlkammerprofil und kein Wellplatten-Verwandter. Sie arbeitet mit der Temperatur, braucht Spiel in der Befestigung und offene Stirnseiten unten.
10 Kapitel

Was eine Stegplatte ist

Eine Stegplatte ist eine Hohlkammerplatte aus Polycarbonat oder Acrylglas — zwei oder mehr dünne Deckschichten, die durch senkrechte Stege miteinander verbunden sind. Zwischen den Deckschichten entstehen dadurch luftgefüllte Kammern, die das Gewicht der Platte gegenüber einer massiven Scheibe deutlich senken und gleichzeitig als Luftpolster wärmedämmend wirken.
Das unterscheidet sie grundlegend von der Wellplatte: Eine Wellplatte ist massiv und bezieht ihre Steifigkeit aus der Wellenform, eine Stegplatte bezieht ihre Steifigkeit aus dem inneren Kammeraufbau bei ebener oder leicht profilierter Oberfläche. Details zur Wellplatte und zur Zuordnung beider Plattenarten zu Bauwerken stehen in Dachplatten im Vergleich.
Polycarbonat oder Acrylglas
sind die beiden Werkstoffe, aus denen Stegplatten hergestellt werden, und sie unterscheiden sich in genau den Eigenschaften, die für die Auswahl zählen: Polycarbonat ist schlagzäh und verzeiht auch groben Hagel oder einen Astabwurf, ohne zu splittern. Acrylglas ist kratzfester und optisch klarer, dafür spröder bei Schlagbelastung. Welcher Werkstoff sinnvoll ist, hängt vom Einsatzort ab — über einer Terrasse mit Baumbestand zählt die Schlagzähigkeit mehr als die Klarheit.
Zur Begriffsklärung
Bei der Stegplatte gibt der Hersteller ein Mindestgefälle an, und das ist tatsächlich eine harte Grenze — aber aus einem anderen Grund, als oft geschrieben wird. Es liegt nicht daran, dass Platten grundsätzlich keine Zusatzmaßnahme kennen: Faserzement-Wellplatten, Bitumenwellplatten, Trapezblech und Doppelstehfalz haben sämtlich eine Regeldachneigung mit definierter Unterschreitung.
Die Stegplatte hat das nicht, weil sie kein Überdeckungssystem ist. Sie liegt in einer Länge von der Traufe bis zum First, seitlich gefasst vom Verlegeprofil. Es gibt keine Höhenüberdeckung, die sich vergrößern ließe, und keine Naht, die sich zusätzlich verkleben ließe — deshalb bleibt nur der Wert des Systems. Unterhalb davon fließt das Wasser nicht mehr sicher ab und das Verlegeprofil steht im Stau, und dann ist es das falsche Material für dieses Dach.

Die Begriffe im Überblick

Aufbau
10 Begriffe
Stegplatte · Hohlkammerplatte · Polycarbonat · Acrylglas · Steg · Kammer · Kanal · Plattenstärke · Spannweite · Schneelast
Oberfläche und Schutz
4 Begriffe
UV-Schutzschicht · Coextrusion · Anti-Algen-Ausführung · Wärmeschutzausführung Kondensat
Stirnseiten
5 Begriffe
Stirnseite · Alu-Klebeband · Anti-Staub-Band · Kondensatablauf · Verschmutzung im Kammerinneren

Unser Stegplatten Sortiment 31 Produkte

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Aufbau einer Stegplatte: Stege, Kammern und Kanäle

Die Kammern verlaufen als durchgehende Kanäle in Längsrichtung der Platte — das ist kein Zufall, sondern Teil der Funktion: In diesen Kanälen läuft im Betrieb Kondensat ab, und über sie erfolgt später auch die Reinigung von innen, falls doch Feuchtigkeit eindringt.
Die Zahl der Stege bestimmt, wie viele Kammern die Platte hat und wie steif sie quer zur Kanalrichtung ist. Mehr Stege bedeuten in der Regel eine tragfähigere Platte bei gleicher Bauhöhe, aber auch eine geringere Lichtdurchlässigkeit, weil jeder Steg das Licht bricht und teilweise streut. Welche Konfiguration zum jeweiligen Vorhaben passt, gibt die Verlegeanleitung des Herstellers vor.
Neben der einfachen Zweifach-Stegplatte mit senkrechten Stegen gibt es Ausführungen mit zusätzlichen diagonalen oder X-förmigen Stegen und mit mehr als zwei Kammerreihen übereinander. Diese Bauformen sind steifer bei gleicher Bauhöhe, kosten dafür an Lichtdurchlässigkeit, weil mehr Stegfläche im Lichtweg liegt. Für weite Spannweiten oder hohe Schneelastzonen ist eine solche Mehrkammer-Ausführung oft die wirtschaftlichere Lösung gegenüber einer insgesamt dickeren Zweifachplatte.

Plattenstärke, Spannweite und Schneelast

Die Plattenstärke ist keine Frage der Optik, sondern der Statik. Je größer der Abstand zwischen zwei Auflagern — den Verlegeprofilen oder Sparren —, desto mehr muss die Platte dazwischen frei tragen, ohne durchzuhängen oder unter Schneelast zu brechen.
Welche Stärke nötig ist, ergibt sich aus mehreren Größen zusammen — vor allem aus:
1. der Spannweite zwischen den Auflagern, 2. der Schneelast am Standort und bei der vorgesehenen Neigung, 3. dem Windsog, der an Rändern und Ecken am stärksten zieht, 4. dem Plattenaufbau selbst — Kammerzahl und Steggeometrie — und dem Profil- oder Auflagersystem, in dem die Platte liegt.
Diese Kombination steht tabelliert in der Verlegeanleitung des Herstellers und unterscheiden sich je nach Produktlinie. Eine dünnere Platte über eine größere Spannweite zu spannen, weil sie optisch unauffälliger wirkt, ist der klassische Fehler, der erst beim ersten starken Schneefall sichtbar wird — und dann als Durchbiegung oder Bruch.

UV-Schutzschicht: welche Seite der Stegplatte nach oben zeigt

Polycarbonat ist ohne Schutz nicht dauerhaft UV-beständig: Ungeschütztes Material vergilbt und wird spröde. Deshalb tragen hochwertige Stegplatten auf einer Seite eine coextrudierte UV-Schutzschicht — eine beim Herstellungsprozess mit aufgebrachte, fest verbundene Schicht, kein nachträglicher Lack.

Diese Seite gehört nach oben, zur Sonne

Welche Seite das ist, steht auf der Schutzfolie, die vor der Montage entfernt wird — nicht vorher, weil sie die Platte beim Transport und Zuschnitt vor Kratzern schützt. Wird die Platte verkehrt herum eingebaut, liegt die UV-Schicht innen und schützt nichts mehr; die unbehandelte Außenseite altert dann deutlich schneller als vom Hersteller vorgesehen.

Die Stirnseiten: der kritischste Punkt an jeder Stegplatte

Die Kammern einer Stegplatte sind offene Kanäle — und genau die offenen Enden an den Stirnseiten sind die empfindlichste Stelle der gesamten Konstruktion. Werden sie falsch behandelt, sammeln sich dort Staub, Pollen und Algen im Kammerinneren, sichtbar als graue Streifen, die von außen nicht mehr zu entfernen sind.
Die Regel ist gegenläufig, nicht symmetrisch:
  • Oben, an der First- oder Hochseite, wird die Stirnseite mit einem
Alu-Klebeband vollständig abgedichtet. Hier darf kein Wasser und keine Feuchtigkeit in die Kammern eindringen.
  • Unten, an der Trauf- oder Tiefseite, wird die Stirnseite mit einem
Anti-Staub-Band abgedeckt — luftdurchlässig genug, damit Kondensat, das sich innen bildet, ablaufen kann, aber dicht genug, um Insekten und Staub fernzuhalten.
Wird unten ebenfalls vollständig verklebt, staut sich das Kondensat in der Kammer und hat keinen Weg mehr hinaus. Wird oben offen gelassen, läuft Regenwasser direkt in die Kammern hinein. Beide Fehler führen zum selben Ergebnis: einer Platte, die von innen verschmutzt und optisch nicht mehr zu retten ist.

Verlegeprofile statt direkter Verschraubung

Eine Stegplatte wird nicht wie eine Wellplatte direkt durch die Fläche geschraubt. Sie liegt in Verlegeprofilen, die die Kräfte aufnehmen und der Platte gleichzeitig Bewegungsspielraum lassen:
  • H-Profil — verbindet zwei Plattenbahnen in der Fläche und nimmt sie
seitlich in eine Nut.
  • Abschlussprofil — schließt die Fläche am Rand ab und schützt die
Kante.
  • Klemmprofil — hält die Platte von oben, meist mit einer
Deckleiste, die verschraubt wird, ohne die Platte selbst zu durchbohren.
Eine Durchgangsschraube direkt durch die Fläche ist nur dort vertretbar, wo der Hersteller sie ausdrücklich vorsieht, und dann ausschließlich mit den folgenden Punkten zur Wärmeausdehnung.
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Wärmeausdehnung und das Übermaß im Schraubloch

Polycarbonat dehnt sich unter Wärme stärker aus als die meisten Unterkonstruktionen, an denen es befestigt wird. Wird eine Direktschraube passgenau ins Loch gesetzt, kann sich die Platte bei Hitze nicht mehr bewegen — die Spannung baut sich am Loch auf, bis dort ein Riss entsteht.
Deshalb wird jedes Schraubloch mit einem Lochübermaß gebohrt, das deutlich größer ist als der Schraubenschaft, und die Schraube nur mit einer Dichtscheibe handfest angezogen, nicht auf Block. Wie groß dieses Übermaß sein muss, hängt von der Plattenlänge und der zu erwartenden Temperaturspanne ab und steht produktspezifisch in der Verlegeanleitung.
Dieselbe Bewegung muss auch an den Rändern möglich bleiben: Die Verlegeprofile aus Abschnitt 6 sind so gebaut, dass die Platte darin längs gleiten kann, statt an ihrer Kante fixiert zu sein. Wird die Platte in ein zu enges Profil gepresst oder seitlich verklebt, verlagert sich die Spannung, die eigentlich am Schraubloch entstehen würde, an den Rand — mit demselben Ergebnis: Der Werkstoff reißt dort, wo er sich nicht mehr bewegen kann.

Anti-Algen- und Wärmeschutzausführungen im Vergleich

Neben der Standardausführung gibt es Stegplatten mit zusätzlicher Funktionsschicht:
  • Anti-Algen-Ausführung — eine Beschichtung, die den Bewuchs auf der
Außenseite verzögert; sinnvoll an schattigen, feuchten Standorten, an denen sich normalerweise schnell ein grüner Belag bildet.
  • Wärmeschutzausführung — eine Beschichtung oder Einfärbung, die einen
Teil der Sonnenenergie reflektiert und den Raum darunter weniger aufheizt; relevant vor allem bei Terrassenüberdachungen mit Aufenthaltsqualität.
Beide Ausführungen ändern nichts an der statischen Auslegung — Plattenstärke und Spannweite werden unabhängig davon nach Abschnitt 3 bestimmt.

Reinigung einer Stegplatte ohne Hochdruckreiniger

Die glatte Außenseite verträgt milde Reinigung mit Wasser und einem weichen Schwamm oder Tuch. Ein Hochdruckreiniger gehört nicht auf eine Stegplatte: Der Strahl kann die UV-Schutzschicht anrauen und feine Mikrokratzer erzeugen, in denen sich anschließend Schmutz schneller festsetzt als vorher. Scheuernde Reinigungsmittel und harte Bürsten wirken auf dieselbe Weise.
Werden die Kammern innen sichtbar schmutzig — meist ein Zeichen, dass die Stirnseiten nicht korrekt ausgeführt sind, siehe Abschnitt 5 —, hilft Reinigung von außen nicht. Dann ist der Abdichtungsfehler an der Stirnseite zu beheben, nicht die Fläche zu putzen.

Was Stegplatten je Quadratmeter kosten

Der Preis einer Stegplatte hängt an der Stärke, an der Zahl der Stege, an der UV-Schutzschicht und an einer eventuellen Zusatzfunktion wie Anti-Algen- oder Wärmeschutzausführung. Verlegeprofile werden separat gehandelt und sind bei der Kalkulation der Fläche mitzurechnen.
Stegplatten30,87–128,38 €/Stk.
20 Artikel, nach Stärke und Kammeraufbau.
Wellplatten13,92–145,99 €/Stk.
37 Artikel in Bitumen und Kunststoff.
Systemteile am Dach16,50–43,35 €/Stk.
40 aktive Artikel: Halter, Klammern, Anschlussteile.
Preise aus dem Franke-Sortiment, Stand 24. August 2026, brutto. Spannen über die aktiven Artikel der jeweiligen Warengruppe.
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Was beachtet werden muss

Statik vor Optik
Plattenstärke und Verlegeprofil richten sich nach Spannweite und Schneelast — beide stehen vor der Bestellung fest, nicht danach.
Stirnseiten korrekt ausführen
Oben dicht mit Alu-Klebeband, unten offen mit Anti-Staub-Band. Wer diese Regel vertauscht, verbaut sich die Optik der Fläche auf Jahre.
Betreten der Dachfläche
Eine Stegplatte trägt kein Gewicht punktuell und kann ohne Vorwarnung durchbrechen. Gearbeitet wird von Gerüst, Arbeitsbühne oder Laufbohle aus, nie auf der Platte selbst. Die Leiter ist ein Zugangsmittel, kein Arbeitsplatz für Arbeiten, die sich über die Fläche ziehen.
Technische Sicherung hat dabei Vorrang vor persönlicher Schutzausrüstung: Gerüst, Arbeitsbühne oder Laufbohle zuerst. Ein Auffangsystem ersetzt den sicheren Standplatz nicht — es fängt den Sturz auf, es verhindert ihn nicht.
Wärmeausdehnung
Direktverschraubung ohne Lochübermaß und Dichtscheibe führt zu Rissen — unabhängig davon, wie sorgfältig sonst gearbeitet wurde.
Gewährleistung
Die Verlegeanleitung des Herstellers ist Teil der Produktzusage. Wer die Plattenstärke unterhalb der freigegebenen Spannweite einsetzt oder die Stirnseiten falsch behandelt, verliert im Schadensfall das Argument.
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