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Von Franke Baustoffe
24. Aug. 2026 10 Min. Lesezeit

Schieferdach: Naturschiefer oder Faserzement

Naturschiefer und Faserzement-Schieferplatten im Unterschied, die gängigen Deckarten und warum Schiefer Handwerk bleibt
Schiefer ist die anspruchsvollste Deckung am Steildach: Das Material gibt die Deckart vor, die Deckart die Lattung, und beides zusammen entscheidet, ob das Dach jemals ein Laie anfassen sollte.
4 Zeilen im Vergleich
10 Kapitel

Naturschiefer oder Faserzement-Schieferplatte?

Wer „Schieferdach" sagt, meint damit zwei völlig unterschiedliche Werkstoffe, und diese Unterscheidung steht vor jeder weiteren Frage.
Naturschiefer
ist ein Naturstein — gespaltenes Gestein mit der typischen, leicht unregelmäßigen Oberfläche, unterschiedlicher Stärke von Platte zu Platte und einer Farbigkeit, die mit der Lagerstätte variiert. Er wird einzeln zugeschnitten und passt sich der jeweiligen Deckart an.
Faserzement-Schieferplatten
— umgangssprachlich Kunstschiefer — sind ein industriell gefertigtes Produkt: faserverstärkter Zement, in Form und Stärke einheitlich, meist rautenförmig oder rechteckig zugeschnitten und in der Fläche gleichmäßiger als Naturschiefer. Optisch ähneln sie dem Naturvorbild, technisch sind sie ein anderer Werkstoff mit anderer Verwitterung, anderer Lebensdauer und — bei älteren Beständen — einer eigenen Prüffrage, die in Abschnitt 8 steht.
Diese beiden Werkstoffe nicht zu verwechseln ist keine Förmelei: Reparatur, Ersatzbeschaffung und der Umgang mit Bestandsmaterial unterscheiden sich grundlegend zwischen echtem Naturstein und Faserzement.
Auf den ersten Blick lassen sich beide leicht verwechseln, gerade wenn die Fläche verwittert oder bemoost ist. Ein Anhaltspunkt ist die Gleichmäßigkeit: Naturschiefer zeigt selbst bei regelmäßigem Format leichte Unterschiede in Stärke, Maserung und Farbton von Platte zu Platte, weil jedes Stück aus gespaltenem Gestein stammt. Faserzement-Schieferplatten wirken dagegen untereinander nahezu identisch — Serienprodukt statt Naturmaterial. Im Zweifel bringt nur eine fachliche Begutachtung vor Ort Klarheit, insbesondere weil sich daran auch die Frage aus Abschnitt 8 entscheidet.

Die Begriffe im Überblick

Werkstoffe
5 Begriffe
Naturschiefer · Faserzement-Schieferplatte · Kunstschiefer · Rechteckschiefer · Spitzwinkelschiefer
Deckarten
5 Begriffe
Altdeutsche Deckung · Deutsche Deckung (Bogenschnittdeckung) · Schuppendeckung · Rechteck-Doppeldeckung · Regeldachneigung je Deckart
Untergrund und Befestigung
6 Begriffe
Schalung · Lattung · Schiefernagel · Hafte · Kupfernagel · verzinkter Nagel

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Die vier Dachdeckarten im Überblick

Schiefer wird nicht einheitlich verlegt — die Deckart bestimmt, wie die einzelnen Platten einander überdecken, und damit das Erscheinungsbild der Fläche:
  • Altdeutsche Deckung — die traditionsreichste Deckart, mit
unregelmäßig großen, in der Höhe gestaffelten Platten in wechselnder Breite. Sie verlangt am meisten handwerkliches Geschick, weil jede Platte individuell zum Nachbarn passen muss.
  • Schuppendeckung — regelmäßige, meist rautenförmige Platten in
gleichbleibendem Maß, die wie Fischschuppen überlappen.
  • Rechteck-Doppeldeckung — rechteckige Platten in zwei Lagen versetzt
übereinander, eine der handwerklich klareren, geometrisch strengeren Deckarten.
  • Deutsche Deckung, auch Bogenschnittdeckung genannt — quadratische
Platten mit gerundetem sichtbarem Abschluss. Das sind nicht zwei Deckarten, sondern zwei Namen für dieselbe: „Bogenschnitt" beschreibt die Form des Decksteins, nicht ein eigenes System.
Nicht dazu gehören waagerechte Deckung und Wabendeckung. Beide sind Fassadendeckungen und stehen in der Fachregel für Außenwandbekleidungen, nicht in der für Dachdeckungen — wer sie am Dach sucht, sucht in der falschen Regel.
Jede Deckart hat eine eigene Regeldachneigung und eine eigene Anforderung an die Überdeckung — dazu Abschnitt 5.

Warum ein Schieferdach Handwerk ist und keine Heimwerkerarbeit

Schiefer ist kein Bauteil, das nach Tabelle verlegt wird. Jede Platte — bei Naturschiefer erst recht — muss auf der Fläche eingepasst werden: Zuschnitt an Graten, Kehlen und Anschlüssen, das richtige Nagelbild je nach Deckart, die passende Überdeckung bei wechselnder Windlast an Traufe, Grat und First.
Ein falsch gesetzter Nagel oder eine zu geringe Überdeckung fällt nicht sofort auf — sie zeigt sich erst Jahre später, wenn Schlagregen von der Seite unter die Platten drückt. Genau das macht die Schieferdeckung zu einer Aufgabe, die traditionell von Dachdeckerbetrieben mit eigener Schiefer-Erfahrung ausgeführt wird, nicht als Erweiterung einer anderen Deckung.
Hinzu kommt, dass jede Deckart ihr eigenes Nagelbild und ihre eigene Verlegereihenfolge hat: Bei der Altdeutschen Deckung wird von der Traufe zum First in unregelmäßigen Reihen gearbeitet, deren Höhe sich nach dem verfügbaren Material richtet, während die Rechteck-Doppeldeckung strikt gleichmäßige Reihen verlangt. Wer beide Systeme vermischt oder eine begonnene Fläche mit fremdem Material fortsetzt, erzeugt sichtbare Sprünge im Fugenbild — ein Grund, warum Reparaturen möglichst mit Fachbetrieben besprochen werden, die die ursprüngliche Deckart erkennen.

Schalung statt Lattung: der Untergrund und die Befestigung

Welche Deckunterlage zulässig ist, hängt von der Deckart ab. Die klassischen Deckarten wie die Altdeutsche Deckung verlangen eine durchgehende Schalung — eine geschlossene Holzfläche, weil die dünnen, biegeweichen Platten eine vollflächige Auflage brauchen. Andere Deckarten, etwa die Rechteck-Doppeldeckung, sind je nach Regelwerk und Herstellervorgabe auch auf Lattung ausführbar. Was für die gewählte Deckart gilt, steht in den Fachregeln und in der Verlegeanleitung — es ist keine freie Entscheidung.
Befestigt wird mit Schiefernägeln oder Haften — nicht rostendem Material, meist verzinkt oder aus Kupfer, damit an der Nagelstelle keine Rostfahne entsteht, die die Fläche über die Jahre verfärbt. Welches Befestigungsmaterial zur gewählten Deckart und zum Untergrund passt, steht in den Fachregeln des Dachdeckerhandwerks und in der Verlegeanleitung des jeweiligen Herstellers.

Welche Regeldachneigung zu welcher Deckart gehört

Schiefer fällt unter die Regeldachneigung — die Neigung, bei der die gewählte Deckart ohne Zusatzmaßnahmen regensicher ist. Sie darf unterschritten werden, wenn die vorgesehenen Zusatzmaßnahmen ausgeführt werden — allerdings deckart- und untergrundabhängig: Was auf einer Lattendeckung zulässig ist, gilt nicht automatisch für eine Deckung auf Schalung, und jede Deckart hat ihre eigene untere Grenze. Maßgeblich sind die Fachregeln und die Vorgabe des Herstellers, nicht die allgemeine Regel.
Die Werte der Fachregel für Dachdeckungen mit Schiefer:
DeckartRegeldachneigung
Altdeutsche Deckung25°
Deutsche Deckung (Bogenschnittdeckung)25°
Schuppendeckung25°
Rechteck-Doppeldeckung22°
Die Unterschreitung folgt bei Schiefer einer eigenen Systematik, die sich von der bei Ziegeln unterscheidet: Auf Schalung ist sie nicht zulässig — dort ist die Regeldachneigung zugleich die harte Grenze, auch mit Zusatzmaßnahme. Nur wo die Deckart auf Lattung ausgeführt werden darf, ist eine Unterschreitung möglich: bis 4° mit einer Zusatzmaßnahme mindestens der Klasse 3, bis 10° mit Klasse 1; mehr als 10° unter der Regeldachneigung ist auch dort unzulässig.
Die vollständige Systematik zur Regeldachneigung über alle Deckungen hinweg steht in Dachneigung berechnen und richtig einordnen.

Lebensdauer und Verwitterung von Naturschiefer und Kunstschiefer

Naturschiefer
ist ein Naturstein und verwittert entsprechend langsam — seine Lebensdauer gehört zu den längsten unter allen Dachdeckungen. Er verändert über die Jahrzehnte oft nur die Oberflächenfarbe leicht, strukturell bleibt er stabil, solange die Befestigung hält. Genau die Nägel oder Haften sind häufig die eigentliche Schwachstelle, nicht der Stein selbst.
Faserzement-Schiefer
verwittert anders: Die Zementmatrix und die eingebetteten Fasern altern über die Jahre, die Oberfläche wird poröser, und irgendwann lösen sich einzelne Fasern an der Oberfläche — sichtbar an einem zunehmend rauen, matten Erscheinungsbild. Konkrete Lebensdauern nennt der jeweilige Hersteller beziehungsweise, bei historischem Naturschiefer, lässt sich keine pauschale Zahl seriös nennen; sie hängt an Lagerstätte, Stärke und lokalem Klima.
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Wie eine einzelne Platte ausgetauscht wird

Bricht eine einzelne Schieferplatte, muss nicht gleich die ganze Fläche neu gedeckt werden. Die Reparatur läuft über das sogenannte Unterschieben eines Ersatzstücks unter die benachbarten Reihen und eine Befestigung, die ohne neuen Nagel in der sichtbaren Fläche auskommt — meist mit einem Reparaturhaken, der von unten eingehängt wird.
Das klingt einfacher, als es ist: Die umliegenden Platten dürfen dabei nicht beschädigt werden, und die neue Platte muss in Stärke und Farbe zur Fläche passen. Bei Naturschiefer ist das eine Frage der Materialbeschaffung aus passender Lagerstätte, bei Faserzement-Schiefer eine Frage der noch lieferbaren Produktlinie. Beides ist Sache eines Betriebs mit Erfahrung in der jeweiligen Deckart — siehe auch Abschnitt 3.

Faserzement-Schiefer: die Asbestfrage im Bestand

Faserzement-Schieferplatten, die bis einschließlich 1993 eingebaut wurden, gelten bis zum Nachweis des Gegenteils als asbestverdächtig — und weil Kunstschiefer über Jahrzehnte ein sehr verbreiteter Dachbelag war, ist diese Frage bei Bestandsdächern in dieser Kategorie besonders häufig einschlägig. Maßgeblich ist genau genommen der Baubeginn des Objekts: Wurde bis einschließlich 31. Oktober 1993 mit dem Bau begonnen, ist mit Asbest zu rechnen; bei später erneuerten Bauteilen zählen deren eigene Einbau- und Produktnachweise.
Geklärt wird das zuerst über die Unterlagen: Verlässliche Bau- und Produktnachweise räumen den Verdacht aus. Reichen sie nicht, folgt eine Materialprobe im Labor, nicht durch Absägen einer Platte. Umgang, Demontage und Entsorgung laufen nach TRGS 519 über einen dafür qualifizierter Fachbetrieb. Diese Frage steht vor jedem Eingriff — vor der Reparatur einer einzelnen Platte ebenso wie vor einer Neueindeckung, vor Reinigung und vor jeder Arbeit, die Bruch oder Staub erzeugen könnte. Naturschiefer ist von dieser Frage nicht betroffen — sie gilt ausschließlich für die Faserzement-Variante.

Schiefer an der Fassade als optische Abgrenzung

Schiefer wird nicht nur auf dem Dach, sondern auch an der Fassade verwendet — meist an Wetterseiten oder als gestalterisches Element, das Dach und Wand optisch verbindet. Das ist bauphysikalisch und handwerklich ein eigenes Thema mit eigenen Anforderungen an Unterkonstruktion und Hinterlüftung, das diese Seite bewusst ausklammert. Dorthin gehören auch die beiden Deckarten, die weiter oben nicht in der Dachliste stehen: die waagerechte Deckung und die Wabendeckung. Wer Schiefer an der Fassade plant, findet die entsprechende Abhandlung im Bestandsartikel schieferplatten-dach-fassade-ratgeber — diese Seite bleibt beim Dach.

Was Naturschiefer und Kunstschiefer kosten

Naturschiefer und Faserzement-Schieferplatten liegen preislich deutlich auseinander — Naturschiefer als Naturprodukt mit aufwendigerer Gewinnung und Verarbeitung liegt spürbar über der industriell gefertigten Faserzement-Variante. Innerhalb beider Gruppen hängt der Preis zusätzlich an Deckart, Format und, bei Naturschiefer, an der Lagerstätte.
Schieferplatten1,20–3,03 €/Stk.
Preis je Platte, Bedarf nach Deckart.
Systemteile am Dach16,50–43,35 €/Stk.
40 aktive Artikel: Halter, Klammern, Anschlussteile.
Preise aus dem Franke-Sortiment, Stand 24. August 2026, brutto. Spannen über die aktiven Artikel der jeweiligen Warengruppe.
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Was beachtet werden muss

Handwerk statt Eigenleistung
Zuschnitt, Nagelbild und Deckart verlangen Erfahrung. Diese Seite vermittelt Werkstoff- und Aufbauwissen, keine Anleitung zum Selberdecken.
Betreten der Dachfläche
Eine Schieferdeckung ist bei Nässe und Bemoosung besonders rutschig, und einzelne Platten können bereits Haarrisse haben, die unter Belastung aufbrechen. Gearbeitet wird von Gerüst, Arbeitsbühne oder Laufbohle aus; die Leiter ist ein Zugangsmittel, kein Arbeitsplatz für Arbeiten, die sich über die Fläche ziehen.
Technische Sicherung hat dabei Vorrang vor persönlicher Schutzausrüstung: Gerüst, Arbeitsbühne oder Laufbohle zuerst. Ein Auffangsystem ersetzt den sicheren Standplatz nicht — es fängt den Sturz auf, es verhindert ihn nicht.
Regeldachneigung je Deckart
Die Regeldachneigung darf unterschritten werden, aber nur mit den vom Hersteller vorgesehenen Zusatzmaßnahmen — nicht nach eigenem Ermessen.
Asbestverdacht bei Faserzement-Schiefer
Bei Bestandsflächen bis einschließlich 1993 gilt die Asbestfrage als ungeklärt, bis verlässliche Bau- und Produktunterlagen oder eine Materialprobe im Labor das Gegenteil zeigen. Diese Frage steht vor jedem Eingriff, auch vor der Reparatur einer einzelnen Platte.
Gewährleistung
Bei Faserzement-Schiefer ist die Verlegeanleitung des Herstellers Teil der Produktzusage; bei Naturschiefer gelten die Fachregeln des Dachdeckerhandwerks als anerkannter Ausführungsstandard.
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