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VonFranke Baustoffe
24. Aug. 20269 Min. Lesezeit
Dachziegel-Arten im Überblick
Vier Formfamilien, ein Auswahlkriterium: Welche Neigung, welche Dachform und welcher Bestand welche Form verlangt
Die Ziegelform entscheidet über Regeldachneigung, Lattweite und Materialbedarf. Wer sie nach Optik wählt, merkt spätestens beim Aufmaß, dass sie mehr ist als eine Geschmacksfrage.
Wie sich Dachziegel nach Herstellung und Falz gliedern lassen
Dachziegel werden zunächst nach der Herstellungsart unterschieden — Strangdachziegel und Pressdachziegel — und dann danach, ob sie einen Falz haben oder nicht. Aus dieser zweiten Frage folgt, wie die Deckung Wasser führt, und damit die praktische Einteilung, die für die Auswahl zählt: Falzziegel nutzen ineinandergreifende Mulden und Kanten, Pfannenziegel ein durchlaufendes Wellenprofil, Flachziegel allein die Überdeckung ohne jeden Falz, und Sonderformen lösen geometrische Sonderfälle innerhalb dieser drei Prinzipien.
Fachlich geordnet werden Dachziegel zuerst nach der Falzausbildung — ob und wie die Steine ineinandergreifen. Daraus folgt, wie sicher die Deckung Wasser führt, und damit die Neigung, ab der sie ohne Zusatzmaßnahmen dicht ist:
Krempziegel, Strangfalzziegel, Hohlpfanne im Aufschnitt
die Krempe greift über den Nachbarn, ohne zu verfalzen
mittel
ebene Ziegel ohne Falz
Biberschwanz in Doppel- oder Kronendeckung
allein die Überdeckung der Reihen
mittel bis hoch
traditionelle unverfalzte Deckungen
Hohlpfanne im Vorschnitt, Mönch und Nonne
Profil und Überdeckung ohne jede Verzahnung
am höchsten
Formziegel
First-, Ortgang-, Lüfter- und Anschlussziegel
ergänzen die jeweilige Flächendeckung
wie das zugehörige System
Die Tabelle ordnet, sie bemisst nicht. Den verbindlichen Wert legt die Fachregel des ZVDH über die Regeldachneigungsgruppe der jeweiligen Deckung fest; die Verlegeanleitung des Herstellers ergänzt sie. Der Steinbedarf gehört bewusst nicht in diese Tabelle — er hängt an Format, Modell und Deckart, nicht an der Gruppe.
Für die Auswahl ist die Reihenfolge trotzdem hilfreich: Wer mit der Dachneigung startet, schließt sofort ganze Formfamilien aus oder ein. Wer stattdessen mit der Optik startet — etwa dem Wunsch nach dem Schuppenbild eines Flachziegels —, sollte gleich mitdenken, dass diese Optik meist eine höhere Regeldachneigung und einen höheren Steinbedarf mitbringt. Beides gehört zusammen betrachtet, nicht nacheinander entschieden.
Falzziegel: Doppelmuldenfalz, Flachdachziegel und Reformziegel
Falzziegel sind die größte und vielseitigste Gruppe. Gemeinsam ist ihnen die Verfalzung: Kopf- und Seitenfalz greifen von Stein zu Stein ineinander und führen Wasser kontrolliert ab, ohne dass jeder Stein einzeln abgedichtet werden müsste.
Doppelmuldenfalzziegel — zwei Mulden mit mittlerer Krempe, das
wellenförmige Deckbild, das man von der Frankfurter Pfanne kennt. Die ist allerdings ein Betondachstein von Braas und kein Tonziegel; die Tonvarianten dieses Profils tragen eigene Modellnamen. Die verbreitetste Unterform überhaupt.
Flachdachziegel — ein weitgehend ebenes Deckbild bei vollem Falz,
konzipiert für flachere Regeldachneigungen als die klassische Doppelmulde.
Reformziegel — eine ältere, schmalere Falzziegelform mit
ausgeprägterer Welle, heute seltener neu verlegt, aber im Bestand vieler Altbauten präsent.
Innerhalb der Falzziegel ist die genaue Falzgeometrie modellgebunden: Steine unterschiedlicher Hersteller lassen sich in der Regel nicht mischen, auch wenn die Grundform ähnlich aussieht.
Pfannenziegel: Hohlpfanne, Mönch und Nonne, Krempziegel
Pfannenziegel leiten Wasser über ein durchlaufendes Wellenprofil statt über einen klar abgegrenzten Falz. Wo dieser Falz ganz fehlt, muss die Regensicherheit allein aus Profil und Überdeckung entstehen — unverfalzte Pfannenformen verlangen deshalb eher steilere Dächer als moderne Falzziegel, nicht flachere.
Hohlpfanne — ein S-förmiges Profil mit durchgehender Welle, das
klassische Bild mediterran geprägter Dächer.
Mönch und Nonne — die historische Ursprungsform der Pfannenziegel:
die halbrunde „Nonne" liegt mit der Wölbung nach unten und bildet die wasserführende Rinne, der „Mönch" liegt mit der Wölbung nach oben und deckt die Fuge zwischen zwei Nonnen ab. Zwei getrennte Formsteine statt eines einzigen Modells.
Krempziegel — eine unverfalzte Pfannenform, deren seitlich
hochgezogene Krempe über den Rand des Nachbarziegels greift. Das ist kein Falz: Die Steine verzahnen sich nicht, sie überlappen nur.
Bei Mönch und Nonne braucht die Fläche zwei unterschiedliche Steintypen in festem Verhältnis zueinander — ein Punkt, der bei der Bestellung leicht übersehen wird, wenn nur „Pfannenziegel" bestellt wird, ohne beide Formen zu nennen.
Biberschwanz: der Flachziegel ohne Falz
Der Biberschwanz ist der typische unverfalzte Flachziegel — ein flacher, kleinformatiger Stein, dessen Regensicherheit allein aus der Überdeckung der Reihen entsteht. Unverfalzt sind auch Hohlpfanne, Krempziegel sowie Mönch und Nonne; sie gehören aber zu den Pfannenformen. Der Biber ist der falzlose Vertreter unter den flachen Ziegeln. Daraus folgt die höchste Steinzahl je Quadratmeter aller gängigen Formen und, je nach gewählter Deckart, ein entsprechend höheres Flächengewicht.
Der Biberschwanz eignet sich dort, wo großformatige Falzziegel an ihre Grenzen kommen: an Rundungen, Turmdächern und kleinteilig gegliederten Flächen. Schnittformen, Deckarten und die Statikfrage dazu stehen im Detail in Biberschwanz.
Sonderformen: Ziegel für Grat, Kehle und Durchdringung
Jede der drei Hauptformen braucht an bestimmten Stellen der Dachfläche Steine, die von der Flächenware abweichen:
Gratziegel für die geneigte Kante am Walmdach
Kehlziegel für den Wasserlauf an einspringenden Dachkanten
Walmziegel für den geneigten Dachabschluss an der Giebelseite
Lüfterziegel für die Belüftung der Deckung
Dunstrohr- und Antennenziegel für Durchdringungen der Fläche
Turmziegel für Kegel- und Kuppeldächer, meist in Biberschwanzform
Sonderformen sind ohne Ausnahme modellgebunden: Ein Gratziegel passt zu genau der Formfamilie und dem Modell, aus dem auch die Flächenware stammt. Wer die Flächensteine bestellt und die Sonderformen vergisst, hat am Ende eine offene Kante, für die es keinen passenden Stein von der Stange gibt.
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Unabhängig von der Formfamilie unterscheiden sich Dachziegel in der Oberflächenbehandlung:
Naturrot — unbehandelter, gebrannter Ton in der klassischen
Terrakotta-Farbe. Feine Farbnuancen von Stein zu Stein sind hier normal, keine Reklamation.
Engobiert — vor dem Brand mit einem dünnen Tonschlicker überzogen,
matte, deckende Farbgebung. Der übliche Weg zu dunklen oder anthrazitfarbenen Ziegeln.
Glasiert — mit einer glasartigen Schicht überzogen, glänzende,
geschlossene Oberfläche, zusätzlich wasserabweisend, aber empfindlicher gegen Kratzer bei Transport und Verlegung.
Die Oberfläche ist unabhängig von der Formfamilie wählbar — ein Falzziegel und ein Biberschwanz können beide naturrot, engobiert oder glasiert ausgeführt sein. Für den Alterungsvergleich mit Betondachsteinen siehe Dachziegel oder Betondachstein?.
Welche Form zur Dachneigung passt
Die Regeldachneigung ist das erste Auswahlkriterium — sie wird aber nicht vom Hersteller allein gesetzt. Der Weg läuft andersherum: Die geplante Deckung wird einer Regeldachneigungsgruppe der ZVDH-Fachregel zugeordnet, und diese Gruppe gibt den Wert vor. Die Verlegeanleitung des Herstellers ergänzt ihn; nennt sie eine niedrigere Neigung, ist das eine Abweichung, die samt Systemaufbau ausdrücklich zu vereinbaren ist.
Der Reihenfolge nach kommen verfalzte Ziegel mit der flachsten Neigung aus, traditionelle unverfalzte Deckungen brauchen die steilste — aber das ist eine Orientierung, keine Rangliste. Zwei Modelle derselben Gruppe können sich unterscheiden, und dieselbe Ziegelform in anderer Deckart landet in einer anderen Gruppe.
Liegt die vorhandene oder geplante Neigung unterhalb der Regeldachneigung eines Modells, ist das kein automatisches Ausschlusskriterium: Die Regeldachneigung darf unterschritten werden, wenn der Hersteller dafür ausdrücklich vorgesehene Zusatzmaßnahmen definiert — vergrößerte Überdeckung, verklebte Nähte, ein regensicheres Unterdach. Die genaue Grenze und was „regensicher" dabei bedeutet, steht in Dachneigung berechnen und richtig einordnen.
Welche Form zur Dachform passt
Neben der Neigung entscheidet die Geometrie der Fläche mit:
Große, einfache Flächen — hier ist ein großformatiger Falzziegel
meist die wirtschaftlichste Wahl, weil er mit vergleichsweise wenigen Steinen je Quadratmeter deckt.
Turmdächer, Kegeldächer, Rundungen — hier kommt in der Regel nur der
kleinformatige Biberschwanz mit, weil große Formate der Krümmung nicht folgen können.
Walmdächer mit vielen Graten — der Formsteinbedarf ist bei jeder
Formfamilie höher als bei einem einfachen Satteldach, aber Verfügbarkeit und Lieferzeit der passenden Gratziegel unterscheiden sich zwischen Herstellern.
Mediterrane oder historische Optik — Hohlpfanne oder Mönch und Nonne
bilden diesen Charakter am unmittelbarsten ab.
Was im Bestand schon liegt, entscheidet mit
Bei Reparatur oder Teilsanierung ist die freie Formwahl ohnehin eingeschränkt: Neues Material muss zur vorhandenen Formfamilie, im Idealfall zum selben Modell passen. Eine Falzgeometrie, die nicht ineinander greift, ist kein optisches, sondern ein funktionales Problem — die Wasserführung ist unterbrochen.
Der zuverlässige Weg zur Modellbestimmung: einen intakten Stein abnehmen und die Unterseite fotografieren. Prägung, Hersteller und Produktionszeitraum stehen dort, wo vorhanden. Ein Foto genügt uns, um zu sagen, was passt und was als Ersatz infrage kommt — Details dazu für die beiden häufigsten Formen stehen in Frankfurter Pfanne und Biberschwanz, die Vorgehensweise beim Austausch selbst in Einzelne Dachziegel austauschen.
Über alle vier Formfamilien hinweg gilt dieselbe Grundregel für den Preis: Je geringer der Steinbedarf je Quadratmeter, desto niedriger in der Regel der Flächenpreis — großformatige Falz- und Pfannenziegel liegen deshalb tendenziell unter kleinformatigen Flachziegeln. Hinzu kommen bei jeder Form die Formsteine, deren Stückpreis über dem der Flächenware liegt, sowie Lattung und Befestigungsmaterial.
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Was beachtet werden muss
Modellkompatibilität statt Formkompatibilität
Zwei Ziegel derselben Formfamilie sind nicht automatisch kompatibel. Entscheidend sind Falzmaß, Decklänge und Verschiebebereich des konkreten Modells — die stehen in der Verlegeanleitung des Herstellers.
Betreten der Dachfläche
Die Dachfläche ist keine Verkehrsfläche, unabhängig von der Ziegelform. Wo ein Tritt unvermeidlich ist: nur auf einem Stein direkt über einer Latte, im unteren Drittel, nur bei trockener, frostfreier Witterung. Ab mehreren Schritten gehört eine Laufbohle über mindestens zwei Auflager dazu.
Asbestverdacht bei Ziegel-Imitaten
Es gibt Faserzement-Kleintafeln, die insbesondere die Frankfurter Pfanne und den Biberschwanz nachahmen. Material, das bis einschließlich 1993 eingebaut wurde, gilt bis zum Nachweis des Gegenteils als asbestverdächtig — dann keine mechanische Bearbeitung, Geklärt wird das zuerst über die Bau- und Produktunterlagen; reichen sie nicht, folgt eine Materialprobe im Labor, Umgang und Entsorgung nach TRGS 519 durch einen dafür qualifizierter Fachbetrieb. Details zu beiden betroffenen Formen stehen in Frankfurter Pfanne und Biberschwanz.
Gewicht und Statik
Flachziegel bringen bei gleicher Fläche mehr Gewicht auf den Dachstuhl als großformatige Falz- oder Pfannenziegel. Ein Formwechsel im Bestand gehört statisch geprüft, nicht geschätzt.
Photovoltaik im Bestand
Ein Stein unter einem Modulfeld ist nicht erreichbar, ohne Module abzunehmen — und Module nimmt kein Laie ab, unabhängig davon, welche Form darunterliegt.
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