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Von Franke Baustoffe
24. Aug. 2026 9 Min. Lesezeit

Dachziegel oder Betondachstein?

Gebrannter Ton gegen gepressten Beton — was den Unterschied für Optik, Gewicht und Bestand tatsächlich macht
Ton oder Beton ist keine Glaubensfrage, sondern eine Rechnung aus vier Größen: Gewicht, Lebensdauer, Optik und Preis. Drei davon lassen sich beziffern.
4 Zeilen im Vergleich
9 Kapitel

Ziegel oder Dachstein: der Werkstoffunterschied

Ein Tondachziegel entsteht aus Ton, geformt und bei hoher Temperatur gebrannt. Ein Betondachstein entsteht aus Zement, Quarzsand und Eisenoxidpigment, gepresst und über Tage kontrolliert ausgehärtet, nicht gebrannt. Diese unterschiedliche Herstellung ist die Wurzel für fast jeden weiteren Unterschied zwischen beiden Werkstoffen.
Von der Straße aus sind viele Modelle kaum zu unterscheiden — dieselben Formfamilien aus Dachziegel-Arten im Überblick gibt es sowohl als Ziegel als auch als Dachstein. Das Doppelmuldenprofil etwa, das man von der Frankfurter Pfanne kennt, gibt es in beiden Werkstoffen — die Frankfurter Pfanne selbst ist dabei der Betondachstein (Frankfurter Pfanne), die Tonvarianten heißen anders. Der Werkstoff steckt nicht in der Form, sondern im Material selbst, und der zeigt sich erst über die Zeit: in der Alterung, im Gewicht und im Bruchverhalten.
Auch die Einfärbung folgt unterschiedlichen Prinzipien. Beim Tonziegel entsteht die Farbe entweder durch den Brennverlauf selbst (naturrot), durch eine vor dem Brand aufgetragene Engobe oder durch eine Glasur — die Farbe sitzt in oder auf einem gebrannten, dichten Scherben. Beim Betondachstein wird das Eisenoxidpigment entweder direkt in die Betonmasse eingemischt (durchgefärbt) oder als Beschichtung auf die Oberfläche aufgebracht. Diese Unterscheidung ist keine Randnotiz: Ein durchgefärbter Betondachstein zeigt bei oberflächlichem Abrieb dieselbe Farbe wie darunter, ein nur beschichteter Stein zeigt nach Abrieb den grauen Grundbeton.

Die Begriffe im Überblick

Werkstoffe
9 Begriffe
Dachziegel · Tondachziegel · Betondachstein · Dachstein · Ton · Beton · Zement · Quarzsand · Eisenoxidpigment
Herstellung
6 Begriffe
gebrannt · gepresst · ausgehärtet · Engobe · Glasur · durchgefärbt
Alterung
5 Begriffe
Vergrauung · Kalkausblühung · Veralgung · Farbstabilität · Patina

Unser Betondachsteine Sortiment 91 Produkte

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Wie die beiden Werkstoffe altern

Betondachstein und Tonziegel altern unterschiedlich sichtbar.
BetondachsteinTonziegel
Farbgebungeingefärbt oder beschichtetnaturrot, engobiert oder glasiert
Farbverlauf im Altervergraut, Kalkausblühungen möglichbleibt weitgehend stabil
Typisches Alterungsbildhelle, kalkige Flecken, gleichmäßige Vergrauungfeine Patina, Engobe kann matt werden
Veralgungmöglich, wie bei jeder mineralischen Oberflächemöglich, meist weniger ausgeprägt
Kalkausblühungen an jungen Betondachsteinen sind kein Mangel, sondern ein normaler Vorgang, der mit der Zeit von selbst nachlässt. Vergrauung dagegen bleibt: Sie ist der Grund, warum ein zwanzig Jahre alter Betondachstein neben einem neuen Stein deutlich sichtbar abweicht, während ein alter und ein neuer Tonziegel sich oft ähnlicher bleiben.

Gewicht: warum der Flächenwert entscheidet, nicht die Materialart

Die verbreitete Faustformel „Beton ist schwerer als Ton" trägt so nicht: Die Flächengewichte beider Materialien überschneiden sich deutlich. Ein Biberschwanz in Doppeldeckung liegt weit über jedem Betondachstein, und auch bei den Falzformen gibt es Tonziegel, die schwerer sind als ein vergleichbarer Stein aus Beton. Richtig bleibt nur die Tendenz: Viele klassische Betonmodelle liegen im oberen Bereich ihrer Spanne.
Den Ausschlag gibt deshalb nicht die Materialfrage allein, sondern die Ziegelform und die Deckart — Format, Deckbreite und der Stückbedarf je Quadratmeter, der sich daraus ergibt. Der maßgebliche Wert steht in der Leistungserklärung des jeweiligen Produkts und ist die einzige Zahl, mit der sich rechnen lässt.

Für den Bestand heißt das

Wer das Deckmaterial wechselt, kann die Last auf dem Dachstuhl verändern, ohne die Dachform oder die Optik notwendig zu verändern — in welche Richtung und um wie viel, sagt erst der Vergleich der beiden konkreten Flächengewichte, nicht die Materialart. Ob die vorhandene Konstruktion das trägt, gehört gerechnet, nicht geschätzt; das gilt besonders bei älteren Dachstühlen, die für das ursprünglich verlegte Material bemessen wurden. Wir ermitteln dazu aus dem Aufmaß den Materialbedarf und das Flächengewicht des gewünschten Produkts — die Zahlen, die der Statiker oder Zimmerer für seine Beurteilung braucht. Den Tragfähigkeitsnachweis selbst kann und darf nur er führen.

Bruchverhalten und Klangprobe als Einschätzung, kein Nachweis

Am Bruch lassen sich beide Werkstoffe unterscheiden: Ton bricht keramisch — mit einer scharfen, glatten Kante — und klingt beim Anschlagen hell. Beton bricht körniger, mit sichtbarer Gesteinskörnung in der Bruchfläche, und klingt beim Anschlagen dumpfer.
Diese Klangprobe ist eine Einschätzung für die Praxis, kein Nachweis. Sie hilft, wenn schnell geklärt werden soll, was auf einem Dach liegt — sie ersetzt keine Laboranalyse, und sie ist erst recht kein Werkzeug, um einen Asbestverdacht auszuschließen. Es gibt Faserzement-Kleintafeln, die Ziegelformen wie die Frankfurter Pfanne oder den Biberschwanz nachahmen und weder wie Ton noch wie klassischer Beton reagieren. Mehr dazu unten unter „Was beachtet werden muss".
Für die Praxis auf dem Dach hat das Bruchverhalten noch eine zweite Seite: Ein Tonziegel, der beim Handling einen scharfkantigen Sprung bekommt, bricht bei der nächsten Belastung meist entlang dieser Linie glatt durch. Ein angeschlagener Betondachstein zeigt oft erst mit Verzögerung sichtbare Risse in der Gesteinskörnung. Beide Zustände sind ein Grund zum Austausch, nicht nur der offensichtliche Bruch.

Warum Tonziegel teurer sind als Betondachstein

Der Brennprozess bei Tonziegeln ist energieintensiver und aufwendiger als das Pressen und Aushärten von Betondachsteinen — das schlägt sich im Flächenpreis nieder. Betondachstein liegt in der Regel unter dem vergleichbaren Tonziegel, bei ähnlicher Form und ähnlichem Deckbild.
Der Preisunterschied ist einer der Hauptgründe, warum im Geschosswohnungsbau der siebziger und achtziger Jahre überwiegend Betondachstein verlegt wurde — nachzulesen auch am Beispiel der Frankfurter Pfanne in Frankfurter Pfanne, die in dieser Zeit vor allem als Betondachstein Verbreitung fand.
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Formenvielfalt: wo der Betondachstein mehr Auswahl bietet

Weil Betondachstein in einer Form gepresst statt gebrannt wird, lassen sich neue Modelle, Sonderfarben und Oberflächenstrukturen mit geringerem Aufwand einführen als bei gebrannten Tonziegeln, deren Formen zusätzlich den Brennschwund berücksichtigen müssen. In der Praxis zeigt sich das in einer im jeweiligen Sortiment verfügbaren Modell- und Farbpalette, während Tonziegel ihre Stärke eher in der Farbstabilität über Jahrzehnte ausspielen als in der Zahl der Varianten.
Das gilt auch für Sonderwünsche im Bestand: Wird eine ungewöhnliche Dachfarbe gesucht, um an ein Nachbargebäude oder eine Ortssatzung anzuschließen, ist die Trefferquote bei Betondachstein-Herstellern meist höher als bei Tonziegel-Herstellern, deren Farbpalette an das ausgeht, was sich mit Engobe und Glasur naturgetreu abbilden lässt.

Frostbeständigkeit bei Ton und Beton

Beide Werkstoffe sind für den Einsatz auf dem Dach frostbeständig hergestellt — entscheidend ist bei beiden nicht das Grundmaterial, sondern die Qualität der Fertigung: die Dichte des gebrannten Tons beziehungsweise die Rezeptur und Aushärtung des Betons. Mürbe, abplatzende Oberflächen nach vielen Frost-Tau-Wechseln sind bei beiden Werkstoffen ein Zeichen für gealterte oder minderwertig gefertigte Ware, kein grundsätzlicher Werkstoffmangel. Herstellerangaben zur Frostbeständigkeit des jeweiligen Produkts stehen im technischen Datenblatt.
Bei Tonziegeln hängt die Frostbeständigkeit eng mit der Brenntemperatur und der Wasseraufnahme des Scherbens zusammen: ein dicht gebrannter Ziegel nimmt weniger Feuchtigkeit auf, die beim Gefrieren sprengend wirken könnte. Bei Betondachsteinen ist es die Kapillarporosität des ausgehärteten Betons, die über die Jahre über Frostschäden entscheidet. Beide Kennwerte stehen nicht auf der Verpackung, sondern im Prüfzeugnis des Herstellers — bei Zweifeln an älterer Bestandsware ist das der richtige Anlaufpunkt, nicht die Klangprobe.

Welcher Werkstoff zu welchem Dach passt

Aus den vorherigen Abschnitten lässt sich eine Faustregel ableiten, keine starre Vorgabe:
  • Für Farbstabilität über Jahrzehnte und historische Bausubstanz
spricht der Tonziegel — insbesondere bei sichtbaren, gestalterisch wichtigen Dachflächen.
  • Für ein begrenztes Budget bei großer Fläche spricht der
Betondachstein — bei vergleichbarem Deckbild zum niedrigeren Preis.
  • Für ältere, leichter bemessene Dachstühle kann das geringere Gewicht
des Tonziegels den Ausschlag geben, sobald eine Umdeckung ansteht.
  • Für eine breite Farb- und Modellauswahl bietet der Betondachstein
mehr Spielraum.
Die endgültige Entscheidung hängt an der konkreten Dachform, der Neigung (Dachneigung berechnen und richtig einordnen) und dem, was der Dachstuhl trägt — eine allgemeine Übersicht kann das vorbereiten, nicht ersetzen.

Warum beim Einzeltausch derselbe Werkstoff bleiben muss

Bei einer vollständigen Neueindeckung ist die Werkstoffwahl frei. Beim Einzeltausch einzelner Steine dagegen gilt eine feste Regel: Es muss dasselbe Material eingesetzt werden wie im Bestand. Ein Tonziegel zwischen Betondachsteinen fällt sofort auf — er unterscheidet sich in Farbverlauf, Oberflächenglanz und oft auch im Maß, selbst wenn die Form identisch aussieht. Umgekehrt gilt dasselbe für einen Betondachstein zwischen Tonziegeln.
Wichtiger als die Optik ist dabei die Statik: Wird großflächig ein schwererer Werkstoff in eine Fläche eingemischt, die für den leichteren bemessen ist, verschiebt sich die lokale Last, ohne dass das auf den ersten Blick auffällt. Die Vorgehensweise beim Einzeltausch selbst — Modell bestimmen, passenden Stein finden, sicher einsetzen — steht in Einzelne Dachziegel austauschen.
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Was beachtet werden muss

Statik bei Materialwechsel
Ein Wechsel zwischen Ton und Beton über eine ganze Fläche ändert das Flächengewicht. Ob der vorhandene Dachstuhl das trägt, gehört gerechnet — das ist keine Frage der Eigenleistung.
Asbestverdacht bei Ziegel-Imitaten
Nicht alles, was wie ein Dachziegel oder Dachstein aussieht, ist eines: Es gibt Faserzement-Kleintafeln, die insbesondere die Frankfurter Pfanne und den Biberschwanz nachahmen. Material, das bis einschließlich 1993 eingebaut wurde, gilt bis zum Nachweis des Gegenteils als asbestverdächtig — dann wird nicht gesägt, gebohrt, gebrochen oder mit dem Hochdruckreiniger gereinigt. Die Klangprobe hilft bei der Einschätzung, ist aber kein Nachweis. Geklärt wird das zuerst über die Bau- und Produktunterlagen; reichen sie nicht, folgt eine Materialprobe im Labor, Umgang, Demontage und Entsorgung nach TRGS 519 durch einen dafür qualifizierten und ausgerüsteten Fachbetrieb. Diese Frage steht vor jedem weiteren Eingriff. Maßgeblich ist genau genommen der Baubeginn des Objekts: Wurde bis einschließlich 31. Oktober 1993 mit dem Bau begonnen, ist mit Asbest zu rechnen; bei später erneuerten Bauteilen zählen deren eigene Einbau- und Produktnachweise.
Betreten der Dachfläche
Die Dachfläche ist keine Verkehrsfläche, unabhängig vom Werkstoff. Wo ein Tritt unvermeidlich ist: nur auf einem Stein direkt über einer Latte, im unteren Drittel, nur bei trockener, frostfreier Witterung. Ab mehreren Schritten gehört eine Laufbohle über mindestens zwei Auflager dazu, die Leiter bleibt Zugangsmittel, kein Arbeitsplatz.
Technische Sicherung hat dabei Vorrang vor persönlicher Schutzausrüstung: Gerüst, Arbeitsbühne oder Laufbohle zuerst. Ein Auffangsystem ersetzt den sicheren Standplatz nicht — es fängt den Sturz auf, es verhindert ihn nicht.

Photovoltaik im Bestand

Ein Stein unter einem Modulfeld ist nicht erreichbar, ohne Module abzunehmen — und Module nimmt kein Laie ab, unabhängig vom Werkstoff der Deckung. Die DC-Seite bleibt spannungsführend, solange Licht auf das Modul fällt.
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