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Von Franke Baustoffe
24. Aug. 2026 8 Min. Lesezeit

Sturmklammern: wie viele je Quadratmeter

Warum Wind Ziegel anhebt statt wegdrückt — und wie der Klammerplan festlegt, welche Klammer wohin gehört
Windsog drückt Ziegel nicht aufs Dach, er zieht sie hoch. Wie viele Klammern das verhindern, steht nicht im Ermessen des Dachdeckers, sondern im Klammerplan des Herstellers.
4 Klammerarten
4 Nachrüstwege

Warum Windsog Ziegel anhebt statt wegdrückt

Die naheliegende Vorstellung ist falsch: Wind drückt nicht auf einen Ziegel und schiebt ihn weg, sondern er erzeugt auf der windabgewandten Seite eines Daches einen Unterdruck — den Sog. Strömt Luft über First und Kanten, reißt sie dort ab und erzeugt genau an diesen Stellen einen Druck, der niedriger ist als unter der Deckung. Die Folge: Der Ziegel wird von unten angehoben, nicht von oben weggedrückt.
Das ist der Grund, warum eine reine Auflast — das Eigengewicht des Ziegels — bei Sturm allein nicht reicht. Ein Ziegel, der nur lose auf der Latte aufliegt, kann bei ausreichendem Sog buchstäblich abheben, sobald der Sog sein Gewicht übersteigt. Genau diese Lücke schließt die Sturmklammer: Sie verbindet den Ziegel formschlüssig mit der Latte und macht aus der Auflast eine Verbindung.
Verstärkt wird der Effekt durch die Falzgeometrie moderner Ziegel selbst: Die Falze zweier benachbarter Ziegel überlappen sich und bilden eine zusammenhängende Fläche, unter die der Sog gleichmäßiger greifen kann als bei einer einzelnen, frei liegenden Deckplatte. Ein Verbund aus mehreren Ziegeln, die alle am selben Randbereich sitzen, kann bei fehlender Klammerung deshalb reihenweise abheben, nicht nur ein einzelnes Stück.

Klammern und Begriffe

Kräfte
10 Begriffe
Windsog · Winddruck · Leeseite · Luvseite · Verwirbelung · Randbereich · Eckbereich · Traufbereich · Ortgangbereich · Firstbereich
Klammerarten
5 Begriffe
Sturmklammer · Seitenfalzklammer · Kopfklammer · Universalklammer · Sturmschraube
Planung
6 Begriffe
Klammerplan · Windzone · Gebäudehöhe · Geländekategorie · Dachneigung · Randbereich gegen Fläche

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Wo der Sog am stärksten zieht: Ränder, Ecken, Grat und First

Der Sog verteilt sich nicht gleichmäßig über die Dachfläche. Er ist an den Rändern — Traufe, Ortgang, First, Grat — und besonders in den Eckbereichen deutlich stärker als in der freien Fläche. Dort löst sich die Luftströmung von der Dachhaut, verwirbelt und erzeugt lokale Druckspitzen, die ein Vielfaches der Belastung in der Flächenmitte erreichen können.
Diese Verteilung ist der Grund, warum ein Klammerplan das Dach nie gleichmäßig behandelt: Randstreifen und Eckbereiche bekommen grundsätzlich mehr Klammern als die Fläche dazwischen — dazu mehr im Abschnitt zu Randbereichen weiter unten. Die genaue Breite dieser Zonen legt der Hersteller anhand von Dachform, Gebäudehöhe und Windzone fest.

Der Klammerplan: was der Hersteller vorgibt

Ein Klammerplan ist die konkrete Zuordnung, welche Klammerart in welchem Bereich des Daches in welcher Dichte sitzt. Er wird nicht am Zollstock auf der Baustelle erfunden, sondern vom Ziegelhersteller anhand mehrerer Eingangsgrößen berechnet und in der Verlegeanleitung mitgeliefert.
Für dasselbe Ziegelmodell sieht der Klammerplan auf einem eingeschossigen Gebäude im windschwachen Binnenland anders aus als auf einem freistehenden Haus in exponierter Lage — mit mehr Klammern, engerer Setzung oder einer anderen Klammerart in den Randbereichen. Wer den Plan eines vergleichbar aussehenden Nachbargebäudes übernimmt, überträgt damit auch dessen Standortdaten, die selten identisch sind.

Windzone, Gebäudehöhe, Dachneigung: was in den Plan einfließt

Mehrere Größen bestimmen gemeinsam, wie stark der Sog an einem konkreten Gebäude ausfällt und wie eng die Klammern deshalb gesetzt werden müssen. Die wichtigsten:
  • Windzone — die Region, in der das Gebäude steht, mit unterschiedlicher
Grundwindlast.
  • Geländekategorie — ob das Gebäude offen, im Siedlungsgebiet oder im
Windschatten anderer Bauten steht.
  • Gebäudehöhe — je höher, desto stärker die Anströmung.
  • Dachneigung und Dachform — sie bestimmen, wo die Strömung abreißt und
wie ausgeprägt die Randzonen ausfallen.
Diese vier Größen fließen in die Berechnung des Herstellers ein, nicht in eine Faustregel, die sich verallgemeinern ließe. Konkrete Werte dazu liefert die Verlegeanleitung des jeweiligen Ziegelmodells und die Fachregel des Dachdeckerhandwerks — nicht ein pauschaler Erfahrungswert.

Klammerarten im Überblick: Seitenfalz, Kopf, Universal, Schraube

Nicht jede Klammer passt auf jeden Ziegel. Welche Art zum Einsatz kommt, richtet sich nach der Falzgeometrie des Ziegelmodells und nach der Stelle im Dach:
KlammerartAngriffspunktTypischer Einsatz
Seitenfalzklammergreift am seitlichen Falz zweier benachbarter ZiegelFläche und Randbereiche bei Falzziegeln
Kopfklammergreift am oberen, überdeckten Rand des Ziegelswo der Seitenfalz nicht zugänglich ist, etwa an Anschlüssen
Universalklammeranpassbar an unterschiedliche ZiegelprofileSonderformen, Bereiche mit wechselnden Anschlussdetails
Sturmschraubeverschraubt statt geklammert, meist an First und GratFirst-, Grat- und Ortgangbereiche mit hoher Belastung
Welche dieser Varianten für ein bestimmtes Ziegelmodell überhaupt zulässig ist, steht wieder in der Verlegeanleitung des Herstellers — nicht jede Klammerart passt an jeden Falz.
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Randbereiche brauchen mehr Klammern als die Fläche

Weil der Sog an Rändern und Ecken am stärksten zieht, unterscheidet jeder Klammerplan zwischen der freien Fläche und den Randstreifen entlang Traufe, Ortgang, First und Grat. In der Fläche fällt die Klammerdichte geringer aus als in den Randzonen, wo häufig jeder Ziegel gesichert wird, teils mit einer zusätzlichen Klammerart. Welches Muster gilt, sagt allein die objektbezogene Windsogberechnung — Faustformeln wie „jede zweite Reihe" sind keine zulässige Grundlage.
Der häufigste Ausführungsfehler an dieser Stelle: Die Randzone wird wie die Fläche behandelt, weil das schneller geht. Genau dort, wo die Belastung am höchsten ist, fehlt dann die zusätzliche Sicherung — sichtbar wird das erst beim nächsten Sturm, wenn die ersten Ziegel an Traufe oder Ortgang fehlen, während die Fläche intakt bleibt.

Warum die Klammer beim Ziegeltausch wieder eingebaut werden muss

Wird ein einzelner Ziegel getauscht — etwa nach einem Bruch oder für Arbeiten am Dach —, gehört die vorhandene Klammer zwingend mit zurück an ihren Platz (der Tausch selbst ist in Einzelne Dachziegel austauschen beschrieben). Wer den Ziegel ohne Klammer wieder auflegt, weil das schneller geht, hebt an genau dieser Stelle die Windsogsicherung des gesamten Klammerplans auf.
Das gilt auch dann, wenn der ausgetauschte Ziegel selbst nicht in einem besonders exponierten Bereich liegt: Eine Fläche ohne Klammer an einer Stelle bleibt eine Schwachstelle, an der Wind unter benachbarte Ziegel greifen und sie ebenfalls anheben kann.

Sturmklammern im Bestand nachrüsten

Bei älteren Dächern ist es keine Seltenheit, dass eine Windsogsicherung fehlt oder unvollständig ausgeführt wurde — frühere Regelwerke waren teils weniger streng, oder die Ausführung wich schon damals vom Plan ab. Eine Nachrüstung ist möglich, verlangt aber, dieselben Grundlagen wie bei der Neueindeckung zu klären: Windzone, Gebäudehöhe, Dachneigung und das konkrete Ziegelmodell, damit die passende Klammerart überhaupt bestellt werden kann.
Ob eine Nachrüstung ohne vollständige Neueindeckung praktikabel ist, hängt vom Ziegelmodell ab — manche Falzgeometrien lassen ein nachträgliches Ansetzen der Klammer zu, ohne die Ziegel abzunehmen, andere nicht. Diese Prüfung gehört in die Verlegeanleitung des vorhandenen Ziegels und, wo die Angabe fehlt, in die Einschätzung einer Fachfirma.
Ein zweiter Bestandsfall betrifft Dächer, deren ursprünglicher Klammerplan zwar vollständig war, aber für eine andere Nutzung galt: Wird ein Dachboden nachträglich zum Wohnraum ausgebaut oder ein Gebäude aufgestockt, ändert sich mit der Gebäudehöhe auch die Windlast, der die Deckung standhalten muss. In diesem Fall ist der alte Klammerplan nicht mehr die richtige Grundlage, selbst wenn an der Eindeckung selbst nichts verändert wird.
Ausgangslage im BestandWas zu klären ist
Klammerplan fehlt vollständigWindzone, Gebäudehöhe, Dachneigung und Ziegelmodell neu aufnehmen
Klammerplan vorhanden, aber unvollständig ausgeführtRandbereiche gegen den vorhandenen Plan prüfen
Gebäude nachträglich aufgestockt oder ausgebautKlammerplan mit neuer Gebäudehöhe neu berechnen
Ziegelmodell nicht mehr im ProgrammErsatzmodell mit passender Klammerart über die Fachfirma klären

Was die Windsogsicherung kostet

Sturmklammern werden nach Stückzahl gehandelt; die Menge folgt aus dem Klammerplan und damit aus Dachfläche, Randlängen und der gewählten Klammerdichte, nicht aus einem pauschalen Wert je Quadratmeter.
Firstklammern32,95 €/Pck.
Im Sortiment als Edelstahlklammern, 30 Stück je Packung.
Systemteile am Dach16,50–43,35 €/Stk.
40 aktive Artikel rund um Befestigung und Anschluss.
Preise aus dem Franke-Sortiment, Stand 24. August 2026, brutto. Sturmklammern für die Fläche sind modellgebunden und kommen über den Ziegelhersteller — sagen Sie uns Ihr Modell, dann bestellen wir passend.
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Was beachtet werden muss

Betreten der Dachfläche

Klammern werden von der Unterseite der Ziegelreihe aus angesetzt, nicht durch Betreten der fertigen Deckung. Gearbeitet wird von Gerüst, Arbeitsbühne oder Laufbohle aus; die Leiter ist ein Zugangsmittel, kein Arbeitsplatz und dient nur dem kurzen Zugang, nicht dem Klammern über eine ganze Reihe.
Technische Sicherung hat dabei Vorrang vor persönlicher Schutzausrüstung: Gerüst, Arbeitsbühne oder Laufbohle zuerst. Ein Auffangsystem ersetzt den sicheren Standplatz nicht — es fängt den Sturz auf, es verhindert ihn nicht.
Klammerplan vor Bestellung
Die Klammerart und -menge stehen erst fest, wenn Windzone, Gebäudehöhe, Dachneigung und Ziegelmodell geklärt sind. Eine Bestellung „nach Gefühl" oder nach dem Nachbardach überträgt fremde Standortdaten.
Ziegeltausch
Jede entfernte Klammer wird beim Wiedereinbau des Ziegels mit zurückgesetzt. Das gilt auch bei kleinen Reparaturen, bei denen nur ein Ziegel kurz angehoben wird.
Altbestand
Ältere Dachdeckungen mit Faserzement-Kleintafeln, die Ziegel nachahmen (etwa Imitate der Frankfurter Pfanne oder des Biberschwanzes), können bei Verlegung bis einschließlich 1993 asbesthaltig sein. Vor jedem Eingriff — auch vor dem Ansetzen einer Klammer — klären zuerst die Bau- und Produktunterlagen, ob der Verdacht ausgeräumt werden kann; reichen sie nicht, folgt eine Materialprobe im Labor; Umgang und Entsorgung erfolgen nach TRGS 519 durch einen dafür qualifizierten und ausgerüsteten Fachbetrieb.
Gewährleistung
Wer vom Klammerplan des Herstellers abweicht — falsche Klammerart, zu geringe Dichte im Randbereich, fehlender Wiedereinbau nach einem Tausch — verliert im Schadensfall den Anspruch aus der Verlegeanleitung.
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