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Von Franke Baustoffe
24. Aug. 2026 9 Min. Lesezeit

Dachlatten: Maße, Querschnitt und Lattweite

Welcher Querschnitt zu welchem Sparrenabstand gehört — und warum die Sortierklasse auf dem Stempel steht
Die Dachlatte trägt die gesamte Deckung und wird trotzdem meist nach Gefühl gekauft. Querschnitt und Sortierklasse stehen aber fest — sie folgen dem Sparrenabstand, nicht dem Angebot im Baumarkt.
7 typische Fehler
2 Sortierklassen

Was die Dachlatte trägt

Die Dachlatte ist das Bauteil, auf dem die Deckung hängt — im Wortsinn: Jeder Ziegel greift mit seiner Nase über eine Latte und gibt sein Gewicht dorthin ab. Von der Latte geht die Last in die Konterlattung und von dort in den Sparren.
Damit trägt eine einzelne Latte mehr, als ihr Querschnitt vermuten lässt: das Eigengewicht der Deckung über ihre gesamte Länge, dazu Schneelast und im Ernstfall das Gewicht eines Menschen, der beim Arbeiten auftritt. Genau deshalb ist die Dachlatte kein beliebiges Kantholz aus dem Stapel, sondern ein sortiertes, gekennzeichnetes Bauprodukt.
Zwei Begriffe, die auf der Baustelle oft durcheinandergehen:
  • Traglattung — die waagerechten Latten, auf denen die Ziegel liegen. Sie
sind gemeint, wenn von „Dachlatten" die Rede ist.
  • Konterlattung — die senkrechten Latten darunter, in Falllinie auf den
Sparren. Sie halten die Traglattung auf Abstand zur Unterspannbahn und schaffen damit die Belüftungsebene. Warum sie unverzichtbar ist, steht in Konterlattung.

Maße und Begriffe

Bauteile
10 Begriffe
Dachlatte · Traglattung · Konterlattung · Sparren · Sparrenabstand · Auflagerabstand · Stützweite · Traufbohle · Firstlatte · Lattenstoß
Maße und Sortierung
11 Begriffe
Querschnitt · Breite und Höhe in Millimetern · Sortierklasse S10 · Sortierklasse S13 · Nadelholz · Holzfeuchte · Kennzeichnung · CE-Zeichen · Stempel · maßhaltig · Rechteckquerschnitt
Lattweite
8 Begriffe
Lattweite · Lattenabstand · Decklänge des Ziegels · Höhenüberdeckung · Traufabstand · Firstabstand · Reihenaufteilung · Restreihe

Der Querschnitt folgt dem Sparrenabstand

Die entscheidende Größe ist nicht die Dachfläche, sondern die Stützweite — der Abstand von Sparren zu Sparren, also die Strecke, die die Latte frei überbrücken muss.
Je größer dieser Abstand, desto größer der nötige Querschnitt. Die Zuordnung ist tabelliert und steht in der Verbändevereinbarung über Dachlatten: 30 × 50 mm bis 0,80 m Sparrenabstand, 40 × 60 mm bis 1,00 m. Diese Regelquerschnitte gelten zusätzlich nur bis 40 cm lichtem Dachlattenabstand und ohne zusätzliche Lasteinträge — kommen Schneefang, Dachtritt oder eine PV-Anlage dazu, sind Latten und Befestigungsmittel gesondert nachzuweisen.
Praktisch heißt das
Der Querschnitt wird nicht aus dem Gefühl gewählt und auch nicht „wie das alte war" — sondern nach der Tabelle für die tatsächliche Stützweite, Schneelastzone und Deckung. Die üblichen Handelsquerschnitte decken den Regelfall am Steildach ab; für große Sparrenabstände gibt es stärkere Latten. Reicht auch das nicht, hilft keine Pfette weiter — die Stützweite der Latte ist der Sparrenabstand, und der ändert sich nur, wenn zusätzliche Sparren oder Auflager eingezogen werden. Dann ist ein statisch nachgewiesener anderer Aufbau zu prüfen, etwa eine durchgehende Schalung.
Der häufigste Fehler an dieser Stelle
die alte Lattung als Maßstab zu nehmen. Sie stammt womöglich aus einer Zeit mit anderer Deckung, anderem Gewicht und anderen Regeln — und sie hat vielleicht nur deshalb gehalten, weil nie jemand bei Schnee darauf gestiegen ist.

Sortierklasse S10 und S13: was der Stempel bedeutet

Bauholz wird nach seiner Tragfähigkeit sortiert, nicht nach Aussehen. Die Sortierung nach DIN 4074-1 bewertet Äste, Faserverlauf, Risse, Baumkante und Krümmung; das Ergebnis ist eine Sortierklasse.
  • S10 ist die einzige baurechtlich zugelassene Klasse für visuell sortierte Dachlatten.
  • Höhere Tragfähigkeit läuft nicht über eine höhere S-Klasse, sondern
über die maschinelle Sortierung: Die Verbändevereinbarung nennt dafür C27 + M für 30 × 50 und C24 + M für 40 × 60. Baurechtlich zugelassen ist bei visueller Sortierung ausschließlich S10.
Die Kennzeichnung muss nicht auf jeder einzelnen Latte stehen: Nach DIN EN 14081-1 ist auch die Kennzeichnung einer Verpackungseinheit zulässig — beim Dachlattenbündel mit höchstens zwölf Latten. Bei visueller Sortierung kommt die stirnseitige Rotmarkierung hinzu. Was ohne jeden Nachweis geliefert wird — weder Stempel noch Bündelkenncode noch Leistungserklärung —, ist kein sortiertes Bauholz, sondern eine Leiste.
Was noch auf der Latte steht und niemand liest: die Angabe zur Holzfeuchte. Zu feuchtes Holz arbeitet nach dem Einbau: Es schwindet, die Latte verdreht sich, und die Ziegelreihe darüber steht nicht mehr in der Flucht. Deshalb wird Lattenmaterial trocken gelagert und nicht offen auf der Wiese zwischengeparkt.

Die Lattweite kommt vom Ziegel, nicht vom Zollstock

Das ist der Punkt, an dem die meisten Selbermacher-Dächer scheitern. Der Abstand zwischen zwei Traglatten — die Lattweite — ist keine frei wählbare Größe. Er ergibt sich aus dem Ziegel:
Jeder Ziegel hat eine Decklänge, also den Bereich, den er nach Abzug der Überdeckung tatsächlich abdeckt. Und die meisten Modelle haben keine feste Decklänge, sondern einen Verschiebebereich — eine Spanne, innerhalb derer die Reihen enger oder weiter gesetzt werden können. Diese Spanne steht in der Verlegeanleitung des Herstellers.
Die Reihenfolge ist also umgekehrt, als man denkt:
1. Zuerst steht fest, welcher Ziegel verlegt wird. 2. Dessen Verschiebebereich und die Dachneigung geben die zulässige Lattweite vor — bei geringerer Neigung wird enger gedeckt, damit die Überdeckung größer ausfällt. 3. Erst dann wird die Fläche in Reihen aufgeteilt und die Lattung angerissen.
Wer die Latten „auf ein rundes Maß" nagelt und danach die Ziegel bestellt, bekommt eine Deckung, die entweder nicht dicht ist oder am First nicht aufgeht.

Traufe und First: die beiden Sonderreihen

An zwei Stellen weicht der Abstand ab, und beide entscheiden über das Aussehen und die Dichtheit der fertigen Fläche.
An der Traufe
sitzt die erste Latte tiefer und oft auf einer Traufbohle — einem stärkeren Holz, das den Höhenunterschied ausgleicht, den die fehlende darunterliegende Ziegelreihe erzeugt. Ohne diesen Ausgleich kippt die erste Ziegelreihe nach vorn und liegt nicht satt auf. Der Traufabstand hängt vom Ziegelmodell und vom gewählten Überstand über die Rinne ab.
Am First
liegt die letzte Latte so, dass der Firstziegel den Abschluss sauber übergreift. Bleibt dort eine Restreihe übrig, die zu schmal wird, verteilt man die Differenz beim Aufteilen über die ganze Fläche — innerhalb des Verschiebebereichs. Das ist der Grund, warum die Aufteilung vor dem ersten Nagel gerechnet wird und nicht am First auffällt.
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Wie viele Meter Dachlatten die Fläche braucht

Die Rechnung ist einfach, sobald die Lattweite feststeht: Die Länge der Dachfläche in Falllinie geteilt durch die Lattweite ergibt die Anzahl der Reihen; multipliziert mit der Breite der Dachfläche ergibt das die laufenden Meter.
Dazu kommen:
  • Verschnitt, weil Latten an den Sparren gestoßen werden und nicht jede
Länge aufgeht,
  • die Konterlattung — sie läuft in Falllinie und wird über die Sparrenzahl
gerechnet, nicht über die Reihen,
  • die Traufbohle und gegebenenfalls Zusatzlatten an Kehlen, Graten und
rund um Dachfenster oder Schornstein.
Wer die Menge selbst überschlägt, sollte die Werte anschließend gegen die Verlegeanleitung des Ziegels prüfen. Wir rechnen das auf Wunsch aus dem Aufmaß mit — dafür braucht es Dachmaße, Neigung und das Ziegelmodell.

Befestigung und Stöße

Die Traglatte wird auf der Konterlattung befestigt, und die Konterlatte ihrerseits auf dem Sparren — zwei Ebenen, zwei Befestigungen. Die Last wandert damit von der Traglatte über die Konterlatte in den Sparren. Beide Verbindungen sind nach Systemvorgabe beziehungsweise statisch zu bemessen; sie werden nicht „irgendwie durchgenagelt". Die Befestigungsmittel sind korrosionsgeschützt; in der belüfteten Ebene unter der Deckung herrscht wechselnde Feuchte, und ein blanker Nagel rostet dort in wenigen Jahren durch.
Jeder Lattenstoß liegt über einem Sparren
— nie frei zwischen zwei Auflagern. Ein Stoß im Feld ist eine Sollbruchstelle unter Last, und er kippt beim ersten Betreten weg. Aus demselben Grund werden Stöße benachbarter Reihen versetzt und nicht alle über denselben Sparren gelegt.
Die Einbaulage ist vorgegeben, nicht frei wählbar
Dachlatten haben einen Rechteckquerschnitt, und für welche Lage der zugelassene Querschnitt gilt, steht in der Bemessungstabelle beziehungsweise der Systemvorgabe — zusammen mit den Randabständen, die die Befestigung braucht. Eine Latte „hochkant zu stellen, weil das steifer ist", ist deshalb kein Trick, sondern eine Abweichung von der Bemessungsgrundlage.

Die häufigsten Fehler an der Lattung

FehlerFolge
Querschnitt nach dem Altbestand gewähltLatte trägt die neue, schwerere Deckung nicht
Lattweite ohne Ziegelmaß angerissenÜberdeckung zu gering, Wasser läuft rückwärts unter die Reihe
Stoß zwischen zwei Sparrenbricht unter Last, Deckung sackt ab
Ungekennzeichnetes Holz verbautkeine Sortierung, keine bekannte Tragfähigkeit
Zu feuchtes Holz eingebautLatten verdrehen sich, Reihen laufen aus der Flucht
Traufbohle vergessenerste Ziegelreihe kippt nach vorn
Restreihe erst am First bemerktschmale Schlussreihe, unsauberer Firstanschluss

Was Dachlatten kosten

Dachlatten werden nach laufenden Metern gehandelt; der Preis hängt am Querschnitt, an der Sortierklasse und daran, ob das Holz imprägniert ist. Gegenüber den Ziegeln ist der Lattenanteil an einer Neueindeckung klein — es lohnt sich also nicht, hier an der Qualität zu sparen.

Dafür führen wir kein eigenes Sortiment — sagen Sie uns, was Sie brauchen, dann klären wir Bezug und Menge gemeinsam. Was bei uns liegt, sind die Bauteile, die an dieser Stelle mit verbaut werden.

— Was wir liefern können
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Was beachtet werden muss

Tragfähigkeit vor Optik
Der Querschnitt folgt der Stützweite, der Schneelastzone und dem Gewicht der Deckung. Diese drei Größen stehen vor jeder Bestellung fest — nicht danach.
Betreten der Dachfläche
Die Dachfläche ist keine Verkehrsfläche. Auch eine frisch verlegte Lattung ist kein Laufsteg: Gearbeitet wird von Gerüst, Arbeitsbühne oder Laufbohle aus. Die Leiter ist dabei ein Zugangsmittel, kein Arbeitsplatz — sobald beide Hände gebraucht werden oder sich die Arbeit über Meter zieht, gehören Gerüst oder Arbeitsbühne dazu.
Technische Sicherung hat dabei Vorrang vor persönlicher Schutzausrüstung: Gerüst, Arbeitsbühne oder Laufbohle zuerst. Ein Auffangsystem ersetzt den sicheren Standplatz nicht — es fängt den Sturz auf, es verhindert ihn nicht.
Holzschutz
Ob imprägniertes Holz nötig ist, hängt vom Aufbau ab. In einer funktionierenden belüfteten Ebene trocknet Feuchte ab; wo das nicht gesichert ist, ist der Grund dafür zu beheben und nicht mit Imprägnierung zu überdecken.
Altbestand
Wird eine alte Lattung abgenommen, gilt dieselbe Regel wie bei jeder Arbeit am Bestandsdach: Bei Material aus der Zeit bis einschließlich 1993 ist zuerst zu klären, ob asbesthaltige Bauteile im Aufbau stecken — alte Faserzementplatten, Bahnen, Kleber und Spachtelmassen. Geklärt wird das zuerst über die Bau- und Produktunterlagen; reichen sie nicht, folgt eine Materialprobe im Labor. Umgang und Entsorgung nach TRGS 519 durch einen dafür qualifizierten und ausgerüsteten Fachbetrieb. Diese Frage steht vor dem ersten Eingriff.
Gewährleistung
Die Verlegeanleitung des Ziegelherstellers ist Teil der Produktzusage. Wer außerhalb des angegebenen Verschiebebereichs deckt, verliert im Schadensfall das Argument.
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