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Von Franke Baustoffe
24. Aug. 2026 10 Min. Lesezeit

Wellplatten: Material, Auflager und Überlappung

Drei Materialgruppen, eine Wellenform – und der Asbestverdacht, der bei älteren Faserzementplatten zuerst geklärt gehört
Wellplatten sehen sich ähnlich und verhalten sich völlig verschieden. Wer Bitumen, Kunststoff und Faserzement verwechselt, bekommt Risse, Pfützen oder ein Dach, das sich im Sommer wirft.
3 Materialgruppen
6 typische Fehler
63 Platten im Shop

Die drei Materialgruppen der Wellplatte

Unter dem Begriff „Wellplatte" stehen drei technisch verschiedene Materialien nebeneinander im Regal, und sie sind nicht austauschbar.
Die Bitumenwellplatte
besteht aus bitumengetränkten Fasern, ist leicht, biegsam und verzeiht kleine Unregelmäßigkeiten der Unterkonstruktion. Sie ist blickdicht, nicht lichtdurchlässig, und eignet sich für einfache Nebengebäude, bei denen Optik und Lichteinfall keine Rolle spielen.
Die Kunststoffwellplatte
gibt es in zwei Ausführungen: aus PVC oder aus Polycarbonat. Beide sind lichtdurchlässig, beide reagieren stärker auf Temperaturwechsel als die anderen Materialien – dazu mehr in Abschnitt 5. PVC ist die preisgünstigere Variante, Polycarbonat die schlagzähere und in der Regel länger klar bleibende. Kunststoffwellplatten passen dorthin, wo Tageslicht in den Raum darunter soll – Carport, Terrassenüberdachung, Wintergartenvordach.
Die Faserzementwellplatte
ist die schwerste und formstabilste der drei Gruppen, mineralisch gebunden, nicht brennbar und blickdicht. Sie ist die Wellplatte mit der längsten Tradition am Nebengebäude – und genau deshalb die, bei der ein alter Bestand zuerst geprüft werden muss, bevor irgendetwas angefasst wird.
Für die Auswahl heißt das in der Praxis: Bitumenwellplatte, wo ein einfaches, blickdichtes Dach reicht und das Gewicht auf einer leichten Unterkonstruktion keine Rolle spielen soll. Faserzementwellplatte, wo Formstabilität und Brandverhalten zählen und Licht nicht gebraucht wird. Kunststoffwellplatte, wo Tageslicht in den Raum darunter soll – mit PVC als preisgünstigem Einstieg oder Polycarbonat, wo die Platte länger klar bleiben soll.

Materialien und Bauteile

Materialgruppen
5 Begriffe
Bitumenwellplatte · Kunststoffwellplatte · PVC-Wellplatte · Polycarbonat-Wellplatte · Faserzementwellplatte
Profil und Maß
8 Begriffe
Wellenform · Wellenberg · Wellental · Wellenteilung · Wellenzahl · Profilsystem · Auflagerabstand · zulässige Spannweite
Kunststoffeigenschaften
7 Begriffe
Lichtdurchlässigkeit · UV-Schutzschicht · Vergilbung · Versprödung · Wärmeausdehnung · Ausdehnungsspiel · Lochübermaß

Unser Wellplatten Sortiment 48 Produkte

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Der Asbestverdacht bei älteren Faserzementwellplatten

Das ist der wichtigste Sicherheitshinweis auf dieser Seite, und er gehört hierhin, nicht in eine Fußnote am Ende.
Faserzementwellplatten aus Objekten mit Baubeginn bis einschließlich 31. Oktober 1993 gelten bis zum Nachweis des Gegenteils als asbestverdächtig. Diese „Eternit"-Platten – grau, hart, mit der typischen Wellenform – sind von neuen, garantiert asbestfreien Faserzementplatten optisch kaum zu unterscheiden. Das Alter allein entscheidet, nicht das Aussehen.
Was bei Verdacht gilt: nicht sägen, nicht bohren, nicht brechen, nicht schleifen, nicht mit dem Hochdruckreiniger bearbeiten und nicht betreten. Geklärt wird das zuerst über die Unterlagen: Verlässliche Bau- und Produktnachweise räumen den Verdacht aus. Reichen sie nicht, folgt eine Materialprobe im Labor – die Probe wird nicht durch Absägen genommen. Umgang, Demontage und Entsorgung laufen nach TRGS 519 über einen dafür qualifizierter Fachbetrieb, die Entsorgung über eine Annahmestelle mit Nachweis, nicht über den Bauschuttcontainer. Diese Frage steht vor dem ersten Eingriff – vor Abriss, vor Reinigung, vor jeder Probebohrung.
Neu gekaufte Faserzementwellplatten sind selbstverständlich asbestfrei. Der Verdacht betrifft ausschließlich den Bestand, nicht das aktuelle Sortiment.

Warum die Wellenform über die Kompatibilität entscheidet

Nicht jede Wellplatte passt an jede andere. Wellenform, Wellenteilung und Wellenzahl unterscheiden sich zwischen Herstellern und teils zwischen Materialgruppen – eine Bitumenwellplatte hat eine andere Wellengeometrie als eine Faserzement- oder Kunststoffwellplatte, und selbst innerhalb einer Materialgruppe sind nicht alle Profile zueinander kompatibel.
Das ist entscheidend für zwei Situationen: beim seitlichen Überlappen zweier Platten – sie müssen im selben Profil ineinandergreifen, sonst ist die Überdeckung nicht dicht – und beim Ersatz einzelner Platten in einer bestehenden Fläche. Wer eine defekte Platte ersetzen will, braucht ein zur vorhandenen Fläche passendes Profil, keine irgendeine Wellplatte in ungefähr passender Größe. Welches Profil eine Fläche hat, steht auf der Verlegeanleitung des ursprünglichen Herstellers oder lässt sich am Muster der vorhandenen Platte bestimmen.
Zwei Platten unterschiedlicher Hersteller mit ähnlich aussehender Wellenform sind deshalb kein verlässlicher Griff ins Regal. Schon kleine Abweichungen in Wellenhöhe oder -teilung reichen, damit die Überlappung klemmt oder eine Fuge offenbleibt. Bei Zweifeln zählt die Verlegeanleitung, nicht der optische Eindruck im Baustoffhandel.

Auflagerabstand und zulässige Spannweite

Die Wellplatte trägt nicht durchgehend – sie überspannt den Abstand zwischen zwei Auflagern frei, und dieser Auflagerabstand ist die entscheidende Größe für die Statik der Fläche. Je größer der Abstand, desto mehr Durchbiegung, desto höher die Gefahr, dass die Platte unter Schneelast oder beim Betreten durchbricht.
Die zulässige Spannweite steht in der Spannweitentabelle des Herstellers und hängt vom Material, von der Profilhöhe und von der Plattenstärke ab. Sie ist keine Erfahrungsgröße, sondern eine Angabe, die vor der Verlegung geprüft wird – nicht danach, wenn die Fläche bereits durchhängt. Wie der Auflagerabstand der vorhandenen Unterkonstruktion gemessen und mit der Tabelle abgeglichen wird, steht in Bitumenwellplatten, Kunststoff- und Stegplatten verlegen.
Wichtig ist dabei, an welchen Bauteilen die Platte tatsächlich aufliegt: bei einer Sparrenlage direkt auf den Sparren oder auf einer aufgesetzten Querlattung, bei einer Pfettenkonstruktion auf den Pfetten selbst. Der Auflagerabstand wird an den tragenden Punkten gemessen, nicht am Rastermaß der Unterkonstruktion – ein zu weiter Sparrenabstand lässt sich durch eine zusätzliche Querlattung wieder in den zulässigen Bereich holen.

Kunststoffwellplatten in der Sonne

PVC- und Polycarbonatplatten leben von ihrer Lichtdurchlässigkeit – aber Sonne verändert sie auch. Unbehandeltes oder einfaches PVC vergilbt mit der Zeit und wird spröder; Polycarbonatplatten mit einer werkseitigen UV-Schutzschicht halten diese Eigenschaft deutlich länger. Entscheidend ist dabei, dass die beschichtete Seite tatsächlich zur Sonne zeigt – bei verkehrt verlegten Platten arbeitet der UV-Schutz gegen die falsche Fläche.
Kunststoff dehnt sich bei Temperaturwechseln stärker aus als Bitumen, Faserzement oder Blech. Für die Befestigung heißt das: Bohrungen bekommen ein Lochübermaß – ein Loch, das größer ist als die Schraube –, damit sich die Platte bei Hitze und Kälte bewegen kann, ohne dass die Schraube das verhindert. Wird stramm ohne dieses Spiel gebohrt und verschraubt, staut sich die Ausdehnung an der Schraube, und die Platte reißt genau dort ein.
Dasselbe Spiel braucht die Platte an ihren Rändern und in Verlegeprofilen: Sie darf nicht randscharf eingespannt werden, sondern muss sich in der Länge bewegen können, ohne aus der Halterung zu wandern. Wie viel Spiel das im Einzelfall ist, gibt die Verlegeanleitung vor – Bitumen- und Faserzementwellplatten brauchen diese Reserve in deutlich geringerem Maß, weil sie sich mit der Temperatur kaum messbar verändern.
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Regeldachneigung und harte Grenze: zwei Zahlen, nicht eine

Auch die Wellplatte hat eine Regeldachneigung, und auch sie darf unterschritten werden. Der verbreitete Satz, bei Platten gebe es das nicht, ist falsch – er verwechselt die Regeldachneigung mit der Grenze, die darunter liegt.
Was allgemein gilt
Für Faserzement-Wellplatten nennt das Fachregelwerk eine Mindestneigung von . Bei Bitumenwellplatten darf die Regeldachneigung um höchstens 3° unterschritten werden.
Was die Hersteller für ihre Profile angeben
Eternit-Standardprofile nennen eine Regeldachneigung, die mit der Sparrenlänge steigt — 9°, 10°, 12° und bis 14° —, und erlauben mit einem Dichtungsprofil in der Höhenüberdeckung zwei Grad weniger; andere Profile wie die Berliner Welle haben eigene Werte. ONDULINE gibt für seine Bitumenwellplatten 10° bis zehn Meter Sparrenlänge an und 15° darüber, mit einer Unterschreitung bis 7°, im Bereich zwischen 7° und 10° zusammen mit Vollschalung, mindestens 30 cm Höhenüberdeckung und zwei Wellen Seitenüberdeckung. Diese Zahlen gelten nur für das jeweilige System.
Irgendwo darunter endet es — und wo genau, sagen Fachregel und Anleitung zusammen. Für Faserzement nennt das Fachregelwerk 5° als Mindestneigung, bei Bitumenwellplatten darf die Regeldachneigung um höchstens 3° unterschritten werden; die Hersteller nennen für ihre Profile eigene, oft engere Grenzen. Wo diese Grenze liegt, ist die System-Mindestneigung — und damit die harte: Darunter gibt es keine zweite Lage, keine zusätzliche Überlappung und keine Klebenaht, die eine zu flache Fläche wieder dicht macht. Dann ist die Wellplatte das falsche Material für dieses Dach, und ein anderes – etwa eine Bahn mit ihrem eigenen Mindestgefälle, siehe Dachpappe fürs Gartenhaus – gehört stattdessen geprüft.

Zwei Unterlagen gelten zusammen

Auch für die Wellplatte gibt es eine ZVDH-Fachregel — sie nennt für Faserzement eine Mindestneigung von 5° und lässt bei Bitumenwellplatten eine Unterschreitung der Regeldachneigung um höchstens 3° zu. Die Verlegeanleitung des Produkts konkretisiert diesen Rahmen und darf strenger sein, nicht großzügiger. Die oben genannten Zahlen stammen von den jeweiligen Herstellern und gelten nur für deren Profile — maßgeblich sind am Ende Fachregel und Anleitung der Platte, die tatsächlich auf dem Dach liegt.

Befestigung im Wellenberg: Kalotte und Dichtscheibe

Befestigt wird ausschließlich im Wellenberg, nie im Wellental – im Tal steht bei Regen Wasser, und jede Schraube dort ist ein Loch in der wasserführenden Zone.
Der Wellplattennagel mit Dichtkappe oder die Bohrschraube mit Dichtscheibe sitzen mit einer Kalotte oben unter dem Schraubenkopf, die die Kraft über die Wellenform verteilt, und einer Dichtscheibe aus EPDM oder Neopren, die den Durchbruch abdichtet. Wo das System es vorsieht, kommt zusätzlich eine Unterkalotte beziehungsweise ein Abstandhalter darunter, der den Wellenberg von innen abstützt — die beiden Bauteile haben unterschiedliche Aufgaben und werden vom Hersteller getrennt geführt. Die Schraube wird nur so weit angezogen, dass die Dichtscheibe leicht andrückt – überdreht platzt sie, die Platte wird eingedrückt, und genau an dieser Stelle beginnt später der erste Riss.
Bei Kunststoff- und Faserzementwellplatten wird grundsätzlich vorgebohrt – ohne Vorbohrung reißt der spröde Wellenberg beim Eindrehen der Schraube ein, bei Kunststoff arbeitet sich die Schraube sonst nicht sauber durch das Lochübermaß. Bitumenwellplatten sind weicher und lassen sich mit dem passenden Nagel direkt setzen.

Die häufigsten Fehler bei Wellplatten

FehlerFolge
Wellenform ohne Prüfung der Kompatibilität ergänztÜberlappung passt nicht, undichte Naht
Auflagerabstand ohne Spannweitentabelle gewähltPlatte biegt durch, bricht unter Last
Schraube ohne Lochübermaß bei Kunststoff gesetztPlatte reißt bei Temperaturwechsel ein
Befestigung im Wellental statt im WellenbergLoch in der wasserführenden Zone
Unter der System-Mindestneigung verlegtdauerhaft undicht, nicht nachbesserbar
Alte Faserzementplatte ungeprüft entferntAsbestbelastung übersehen

Was Wellplatten kosten

Der Preis unterscheidet sich deutlich zwischen den drei Materialgruppen: Bitumenwellplatten liegen im unteren Preissegment, Faserzementwellplatten darüber, und bei Kunststoff macht die UV-Schutzschicht den größten Unterschied zwischen PVC und hochwertigem Polycarbonat.
Wellplatten13,92–145,99 €/Stk.
63 Artikel in Bitumen und Kunststoff, Preis je Platte.
Stegplatten30,87–128,38 €/Stk.
Wenn Licht durchkommen soll.
Befestiger16,50–43,35 €/Stk.
Kalotten, Dichtscheiben, Auflagerband.
Preise aus dem Franke-Sortiment, Stand 24. August 2026, brutto. Spannen über die aktiven Artikel der jeweiligen Warengruppe.
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Was beachtet werden muss

Asbest im Altbestand
Faserzementwellplatten aus Objekten mit Baubeginn bis einschließlich 31. Oktober 1993 gelten als verdächtig. Nicht sägen, bohren, brechen, schleifen oder mit dem Hochdruckreiniger bearbeiten. Klärung über Unterlagen, sonst über eine Materialprobe im Labor; Umgang und Entsorgung nach TRGS 519 durch einen dafür qualifizierten und ausgerüsteten Fachbetrieb – vor dem ersten Eingriff.
Betreten der Dachfläche
Wellplatten brechen ohne Vorwarnung – sie tragen keine punktuelle Last. Gearbeitet wird von Gerüst, Arbeitsbühne oder Laufbohle aus, nicht auf der Fläche selbst. Die Leiter ist ein Zugangsmittel, kein Arbeitsplatz.
Technische Sicherung hat dabei Vorrang vor persönlicher Schutzausrüstung: Gerüst, Arbeitsbühne oder Laufbohle zuerst. Ein Auffangsystem ersetzt den sicheren Standplatz nicht — es fängt den Sturz auf, es verhindert ihn nicht.
Neigung
Zwei Zahlen gehören geprüft: die Regeldachneigung des Produkts, die sich mit der in der Anleitung genannten Maßnahme unterschreiten lässt, und die System-Mindestneigung darunter. Erst die zweite ist hart – bei Faserzement- und Bitumenwellplatten ergibt sie sich aus Fachregel und Anleitung zusammen — für Faserzement nennt das Fachregelwerk 5°, bei Bitumenwellplatten darf die Regeldachneigung um höchstens 3° unterschritten werden; die Hersteller nennen für ihre Profile eigene, oft engere Werte.
Statik
Der Auflagerabstand ist tabelliert, die Tragfähigkeit der vorhandenen Unterkonstruktion darunter nicht. Das gehört vorab geprüft, nicht nach dem Eindecken.
Gewährleistung
Die Verlegeanleitung des Herstellers regelt Auflagerabstand, Überlappung und Befestigungsbild. Wer außerhalb davon deckt, verliert im Schadensfall das Argument.
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