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Von Franke Baustoffe
24. Juli 2026 5 Min. Lesezeit

Solardachziegel

Systeme, Kosten und die Frage, wann Photovoltaik auf dem vorhandenen Ziegeldach die bessere Wahl ist
Solardachziegel versprechen, was viele Bauherren suchen: Strom vom eigenen Dach, ohne dass Module auf der Eindeckung sichtbar werden. Die Technik ist ausgereifter als noch vor wenigen Jahren — sie ist aber nicht in jeder Situation die sinnvollste Lösung. Dieser Ratgeber ordnet die Systeme ein, benennt die Kostentreiber und zeigt, wann die klassische Montage auf dem bestehenden Ziegeldach wirtschaftlich und bautechnisch überlegen ist.

Inhaltsverzeichnis

  1. Was Solardachziegel sind
  2. Welche Systemarten es gibt
  3. Was Solardachziegel kosten
  4. Wo die Grenzen liegen
  5. Die Alternative: Photovoltaik auf dem vorhandenen Ziegeldach
  6. Wann sich welche Lösung lohnt
  7. Was vor der Entscheidung geklärt sein sollte

Was Solardachziegel sind

Solardachziegel — je nach Hersteller auch Solarziegel, PV-Dachziegel oder Solardachpfannen genannt — vereinen zwei Funktionen in einem Bauteil: Sie decken das Dach regensicher ein und erzeugen gleichzeitig Strom. Anders als aufgeständerte Module sitzen sie in der Dachfläche selbst und ersetzen dort die konventionelle Eindeckung.
Der Reiz liegt in der Optik. Wo eine Photovoltaikanlage aus gestalterischen Gründen oder wegen denkmalschutzrechtlicher Auflagen nicht aufgesetzt werden darf, kann ein integriertes System die einzige Möglichkeit sein, die Dachfläche überhaupt energetisch zu nutzen. Das ist der eigentliche Anwendungsfall — nicht der Preis und nicht der Ertrag.

Welche Systemarten es gibt

Unter dem Sammelbegriff werden mehrere technisch sehr unterschiedliche Ansätze geführt. Die Unterscheidung ist wichtig, weil sie über Montageaufwand, Reparaturfähigkeit und Ertrag entscheidet:
  • Einzelziegel mit integrierter Zelle — jeder Ziegel ist ein kleines Modul und wird einzeln verschaltet. Höchster Verlegeaufwand, feinste Anpassung an verwinkelte Dächer.
  • Solardachplatten im Großformat — mehrere Ziegelbreiten in einem Bauteil. Deutlich schneller verlegt, dafür weniger flexibel bei Gauben, Kehlen und Aufbauten.
  • Indach-Systeme — klassische PV-Module, die in die Dachfläche eingelassen statt aufgesetzt werden. Optisch ruhiger als Aufdachmontage, technisch aber näher an einer normalen Anlage.
  • Hybridlösungen — nur die einsehbare Dachseite erhält integrierte Bauteile, die Rückseite wird konventionell mit Modulen belegt.
Die vierte Variante wird in der Praxis unterschätzt. Sie löst den Zielkonflikt zwischen Optik und Wirtschaftlichkeit dort, wo nur eine Dachseite vom öffentlichen Raum aus sichtbar ist.

Was Solardachziegel kosten

Ein belastbarer Quadratmeterpreis lässt sich nicht pauschal angeben — er hängt vom System, von der Dachgeometrie und vom Anteil der Sonderbauteile ab. Als Orientierung für die Einordnung der Größenordnungen:
LösungInvestition je m² DachflächeEinordnung
Konventionelle EindeckungniedrigReine Dachfunktion, kein Stromertrag
Eindeckung + Aufdach-PhotovoltaikmittelBewährte Technik, höchster Ertrag je investiertem Euro
Indach-SystemgehobenRuhigere Optik, etwas geringerer Ertrag durch schwächere Hinterlüftung
SolardachziegelhochBeste Optik, höchster Montageaufwand
Entscheidend ist die richtige Vergleichsbasis. Wer ohnehin neu eindeckt, muss nur die Differenz zur konventionellen Eindeckung gegen den Stromertrag rechnen — nicht den vollen Systempreis. Bei einem intakten Dach dagegen steht der komplette Betrag der Ersparnis gegenüber. Das ist der Punkt, an dem viele Kalkulationen kippen.
Neben dem Material fallen an: Wechselrichter, Verkabelung, Unterkonstruktion, Gerüst, Elektroanschluss und Anmeldung beim Netzbetreiber. Bei integrierten Systemen liegt der Montageanteil deutlich höher als bei Aufdachanlagen, weil jedes Bauteil elektrisch verbunden und regensicher eingebunden werden muss.

Wo die Grenzen liegen

  • Wärmestau. In die Dachfläche integrierte Zellen werden schlechter hinterlüftet als aufgeständerte Module. Höhere Betriebstemperatur bedeutet geringeren Wirkungsgrad.
  • Verschattung wiegt schwerer. Viele kleine Einheiten reagieren empfindlicher auf Teilverschattung durch Schornstein, Gaube oder Baumbestand.
  • Reparatur ist aufwendiger. Ein defektes Bauteil mitten in der Fläche zu tauschen heißt, die Eindeckung zu öffnen und die Verschaltung zu trennen.
  • Herstellerbindung. Formteile, Ersatzbauteile und passende Anschlüsse gibt es nur vom Systemanbieter. Die Verfügbarkeit über die Dachlebensdauer ist ein Risiko, das mitbedacht werden sollte.
  • Weniger Fachbetriebe. Die Montage verlangt Dachdecker- und Elektrokenntnisse zugleich. Nicht jeder Betrieb in der Region arbeitet mit jedem System.
Keiner dieser Punkte spricht grundsätzlich gegen die Technik. Sie erklären aber, warum integrierte Systeme trotz jahrelanger Marktpräsenz eine Nische bedienen.

Die Alternative: Photovoltaik auf dem vorhandenen Ziegeldach

Ist das Dach in gutem Zustand, führt der wirtschaftlichere Weg fast immer über die Montage auf der bestehenden Eindeckung. Die Verbindung zwischen Dach und Anlage stellen dabei zwei Bauteile her:
  • Solar-Trägerpfannen ersetzen einzelne Ziegel und nehmen den Dachhaken auf. Die Last geht kontrolliert in den Dachstuhl, ohne dass ein Ziegel den Haken tragen muss.
  • Durchgangspfannen führen Kabel regensicher durch die Dachfläche — ohne Bohrung in der Eindeckung.
  • Dachhaken verbinden Trägerpfanne und Montageschiene und müssen zum Ziegelmodell passen.
Diese Bauteile sind modellgebunden. Eine Trägerpfanne für einen Flachdachziegel passt nicht auf eine Frankfurter Pfanne. Vor der Bestellung müssen Ziegelmodell und Hersteller feststehen — im Zweifel hilft ein Blick auf die Unterseite eines ausgebauten Ziegels, dort ist die Prägung meist lesbar.
Der bautechnische Vorteil: Die wasserführende Ebene bleibt unangetastet. Wird die Anlage nach zwanzig Jahren zurückgebaut, liegt darunter ein intaktes Ziegeldach — und keine Fläche, die komplett neu eingedeckt werden muss.

Wann sich welche Lösung lohnt

AusgangslageSinnvolle Lösung
Dach ist intakt, Optik zweitrangigPhotovoltaik auf dem vorhandenen Ziegeldach
Dach wird ohnehin neu eingedecktIndach-System oder Aufdachanlage — Differenzkosten rechnen
Denkmalschutz oder GestaltungssatzungSolardachziegel, oft die einzig genehmigungsfähige Variante
Nur eine Dachseite ist einsehbarHybridlösung: vorne integriert, hinten konventionell
Verwinkeltes Dach mit viel VerschattungErtrag vorab prüfen lassen — beide Wege können unwirtschaftlich sein

Was vor der Entscheidung geklärt sein sollte

  • Trägt der Dachstuhl die zusätzliche Last? Bei Altbauten gehört das statisch geprüft.
  • Wie alt ist die vorhandene Eindeckung? Unter einer Anlage sollte kein Dach liegen, das in zehn Jahren erneuert werden muss.
  • Welches Ziegelmodell ist verbaut? Davon hängen Trägerpfanne, Durchgangspfanne und Dachhaken ab.
  • Gibt es Auflagen aus Denkmalschutz, Bebauungsplan oder Gestaltungssatzung?
  • Wie verläuft die Verschattung über den Tages- und Jahresverlauf?
  • Sind Ersatzbauteile des Systems langfristig verfügbar?
Diese Fragen entscheiden über die Wirtschaftlichkeit stärker als die Wahl des Herstellers. Wer sie vorab beantwortet, vermeidet die teuren Korrekturen während der Bauphase.

Fazit

Solardachziegel sind ein gutes Werkzeug für einen klar umrissenen Fall: Wenn die Dachfläche gestalterisch oder rechtlich keine sichtbaren Module zulässt und ohnehin neu eingedeckt wird. In dieser Konstellation ist der Aufpreis nachvollziehbar. Steht dagegen ein intaktes Ziegeldach, liefert die Montage auf der vorhandenen Eindeckung mit Solar-Trägerpfannen mehr Ertrag pro investiertem Euro — bei geringerem Eingriff in die Dachhaut.