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VonFranke Baustoffe
24. Aug. 202610 Min. Lesezeit
Welche Dachformen gibt es: zehn Formen im Überblick
Zehn Dachformen, ihre Neigung, ihre Eindeckung und die Stellen, an denen jede von ihnen teuer wird
Die Dachform steht meist schon fest, wenn das Haus steht. Trotzdem lohnt der Überblick: Sie erklärt, warum manche Dächer teuer im Unterhalt sind und andere nicht.
Jede Dachform lässt sich auf drei Fragen zurückführen: Wie viele geneigte Flächen hat das Dach, wie treffen diese Flächen aufeinander, und wie verläuft die Neigung — konstant, wechselnd oder gekrümmt. Aus diesen drei Antworten ergeben sich die zehn Formen, die im Bestand und im Neubau tatsächlich vorkommen.
Für die Materialauswahl ist eine vierte Frage mindestens so wichtig wie die Geometrie: Wie viele Kehlen und Grate entstehen, wo zwei Flächen aufeinandertreffen. Eine einfache Form ohne Kehle ist bei gleicher Grundfläche günstiger einzudecken und seltener ein Sanierungsfall als eine komplexe Form mit mehreren Anschlüssen.
Das Satteldach besteht aus zwei geneigten Flächen, die sich in einem First treffen — die verbreitetste Form im deutschen Wohnungsbau, mit Ortgang an den Giebelseiten und Traufe an den beiden Längsseiten. Neigungsbereich: von mittel bis steil, je nach gewünschter Dachraumnutzung und regionaler Bauweise. Geeignete Eindeckungen reichen von Ziegel und Betondachstein über Schindel bis zu Blech, je nach gewählter Neigung. Der kritische Punkt liegt am First und an den beiden Ortgängen; Details dazu liefert Satteldach.
Das Pultdach hat nur eine geneigte Fläche mit einer hohen und einer niedrigen Traufe statt eines Firsts. Es ist bei Anbauten, Carports und modernen Baukörpern verbreitet, weil es ohne zweite Traufe und ohne First auskommt. Der Neigungsbereich reicht von flach bis steil und ist bei dieser Form die entscheidende Planungsgröße, weil flach geneigte Pultdächer häufig an der System-Mindestneigung von Platten und Blechen liegen. Der kritische Punkt sitzt am Wandanschluss, wenn der Hochpunkt gegen ein bestehendes Gebäude läuft. Ausführlich in Pultdach.
Walmdach und Krüppelwalmdach: First verschwindet seitlich
Beim Walmdach ist nicht nur die Trauf-, sondern auch die Giebelseite geneigt — es gibt keinen senkrechten Giebel mehr, sondern vier geneigte Flächen, die an den Seiten in Graten und am First in einer kurzen oder durchgehenden Firstlinie zusammenlaufen. Das schützt die Fassade an allen vier Seiten vor Schlagregen, kostet dafür an jedem der vier Grate eine zusätzliche Anschlussstelle. Die Neigung liegt meist im mittleren bis steilen Bereich, die Eindeckung folgt weitgehend der des Satteldachs.
Der Krüppelwalm ist die abgeschwächte Variante: Nur ein kleines Walmstück am oberen Giebeldreieck ist geneigt, der untere Giebel bleibt senkrecht. Das kombiniert einen Teil des Wetterschutzes mit mehr Platz im Dachraum als beim vollen Walm.
Technik, Vor- und Nachteile und Kosten des Walmdachs im Detail behandelt dieser Ratgeber nicht — dazu der Bestandsartikel /blog/walmadach-technik-vorteile-nachteile-kosten.
Zeltdach: die Sonderform des Walms ohne First
Das Zeltdach ist ein Walmdach ohne First: Alle vier Flächen laufen in einer einzigen Spitze zusammen, wie es bei quadratischen Grundrissen — Türmen, Pavillons, manchen freistehenden Garagen — vorkommt. Die vier Grate treffen sich in einem Punkt statt in einer Linie, was diesen Punkt zur empfindlichsten Stelle der gesamten Fläche macht. Neigung meist mittel bis steil, Eindeckung wie beim Walmdach, mit besonderer Sorgfalt an der Dachspitze.
Bauraumseitig bringt das Zeltdach denselben Nachteil wie der volle Walm mit, nur auf vier Seiten statt auf zwei: Der nutzbare Dachraum schrumpft an allen Kanten gleichzeitig, weil keine Giebelwand übrig bleibt, an der die Fläche senkrecht hochgeführt würde. Für eine reine Nutzfläche ohne Ausbauwunsch — Garage, Gartenhaus, Carportvariante mit geschlossenem Dach — spielt das keine Rolle; bei einem Wohngebäude schränkt es den ausbaufähigen Spitzboden spürbar ein.
Flachdach: keine sichtbare Neigung, aber ein Gefälle
Ein Flachdach wirkt neigungslos, hat aber immer ein geringes Gefälle, damit Wasser zu den Abläufen findet — nur eben so gering, dass es dem Auge als eben erscheint. Statt einer Traufe schließt die Fläche meist mit einer Attika ab, einer aufgehenden Wand, an der die Abdichtung hochgeführt wird. Statt Ziegel oder Blech kommen Abdichtungsbahnen zum Einsatz.
Der kritische Punkt ist der Attikaanschluss: Er muss dauerhaft dicht bleiben, obwohl er thermisch und mechanisch stärker belastet wird als eine freie Fläche. Wie ein Flachdach im Ablauf abgedichtet wird, steht in Flachdach abdichten. Vorteil dieser Form ist die mögliche Nutzung der Fläche — als Dachterrasse allerdings nur mit einem eigens dafür geplanten Aufbau: statisch bemessen, mit geeigneter Abdichtung, Schutzlage und Absturzsicherung. Eine gewöhnliche Flachdachabdichtung ist keine Verkehrsfläche. Nachteil ist der höhere Wartungsaufwand, weil Laub und stehendes Wasser hier anders wirken als auf einer geneigten Fläche.
Mansarddach: zwei Neigungen in einer Fläche
Das Mansarddach hat auf jeder Seite einen Knick: Ein steiler unterer Abschnitt geht in einen flacheren oberen Abschnitt über. Historisch diente das dazu, den Dachraum als vollwertiges Geschoss zu nutzen, ohne die Gebäudehöhe formal zu erhöhen. Der Knick selbst ist die kritische Stelle — er verlangt einen Übergang zwischen zwei unterschiedlich geneigten Deckungsbereichen, die je nach Neigung unterschiedliche Materialien erfordern können. Der obere, flachere Teil kann in den Bereich rücken, in dem die Eindeckung nach der System-Mindestneigung statt der Regeldachneigung ausgewählt werden muss.
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Tonnendach und Bogendach: die gekrümmten Dachformen
Beim Tonnendach ist die Dachfläche nicht geknickt, sondern durchgehend gekrümmt — wie eine liegende Tonne. Es kommt bei Hallen, manchen Wintergärten und einzelnen Wohnbauten vor. Eine feste Neigungsangabe passt hier nicht; entscheidend ist der Krümmungsradius und die Frage, ob die gewählte Eindeckung sich in dieser Krümmung verlegen lässt, ohne zu brechen oder Falten zu werfen. Infrage kommen vor allem biegsame oder in kleinen Elementen verlegte Materialien.
Das Bogendach ist die verwandte, meist großflächigere Form für Hallen und weitgespannte Konstruktionen, bei der die Tragkonstruktion selbst den Bogen bildet. Für beide Formen gilt: Der kritische Punkt liegt am Übergang von der gekrümmten Fläche zur geraden Traufe oder zum Giebel, wo die Krümmung endet und ein Anschluss entstehen muss.
Sheddach: mehrere Dachformen in Reihe
Ein Sheddach reiht mehrere kleine, sägezahnartige Dachflächen aneinander — jede mit einer steilen und einer flachen Seite, wobei die steile Seite häufig verglast ist, um gleichmäßiges Nordlicht in eine Halle zu bringen. Typisch bei Werkhallen und Gewerbebauten, seltener im Wohnungsbau. Die Neigung der einzelnen Sheds liegt im mittleren Bereich, die Eindeckung ist meist Blech oder Platte, kombiniert mit den Verglasungsflächen.
Der kritische Punkt ist die Zahl der Kehlen — bei jedem Shed entsteht mindestens eine, und bei mehreren Reihen addiert sich das zu einer der am wartungsintensivsten Dachformen überhaupt. Der Vorteil, der diesen Aufwand im Gewerbebau rechtfertigt: gleichmäßiges, blendfreies Licht ohne zusätzliche Oberlichter auf der Fläche selbst, und eine Struktur, die sich in beliebig vielen Reihen an die Hallenlänge anpassen lässt.
Was die Dachform für die Materialwahl bedeutet
Die Dachform grenzt die mögliche Eindeckung schon vor jeder Produktentscheidung ein, weil sie den Neigungsbereich vorgibt: Eine steil geneigte Fläche erlaubt praktisch jede Deckung, eine flach geneigte Fläche nur noch das, was für diese Neigung freigegeben ist — und welcher Begriff dabei gilt, hängt vom Material ab: Regeldachneigung bei allen überdeckenden Deckungen — Ziegel, Stein, Schindel, Platte, Blech — und mit der vorgesehenen Zusatzmaßnahme unterschreitbar; System-Mindestneigung als harte Grenze darunter; produktspezifisches Mindestgefälle bei Bahnen. Wie das im Einzelnen funktioniert, erklärt Dachneigung berechnen und richtig einordnen.
Daneben bestimmt die Form die Menge der Anschlussdetails: Ein Satteldach ohne Gauben hat nur den First und zwei Ortgänge, ein Walmdach vier Grate, ein Sheddach so viele Kehlen wie Reihen. Jedes zusätzliche Detail ist eine zusätzliche Stelle, an der die Deckung dicht bleiben muss — und an der bei einer Sanierung zuerst nachgesehen wird.
Kehlen und Grate: die teuren Stellen jeder komplexen Dachform
Auf der freien Fläche ist Material am effizientesten zu verlegen und am seltensten Ursprung eines Schadens. Kehlen — die Linien, an denen zwei Dachflächen einen einspringenden Winkel bilden und Wasser sammeln — und Grate — die entsprechenden nach außen weisenden Linien — sind das Gegenteil: Hier läuft mehr Wasser zusammen als auf der freien Fläche, hier werden Bauteile geschnitten und angepasst, und hier zeigt sich zuerst, wenn eine Deckung altert.
Das gilt für jede Form, die mehr als eine einzige Fläche hat — Walmdach, Krüppelwalm, Zeltdach, Mansarddach, Sheddach. Satteldach und Pultdach ohne Gaube sind deshalb nicht nur einfacher zu bauen, sondern auch günstiger in der Wartung: Sie haben schlicht keine Kehle. Wer eine Dachform allein nach der Optik wählt, sollte diesen Unterschied im Wartungsaufwand mit einplanen — er zeigt sich nicht beim Bau, sondern erst über die Jahre der Nutzung.
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Was beachtet werden muss
Form folgt Statik
Welche Dachform infrage kommt, entscheidet zuerst der Dachstuhl oder die geplante Tragkonstruktion, nicht die gewünschte Optik. Eine komplexe Form mit mehreren Graten stellt andere Anforderungen an die Tragwerksplanung als eine einfache Fläche.
Betreten der Dachfläche
Unabhängig von der Form ist keine Dachfläche eine Verkehrsfläche. Gearbeitet wird von Gerüst, Arbeitsbühne oder Laufbohle aus — an Kehlen und Graten gilt das besonders, weil dort die Deckung am wenigsten Reserve hat. Die Leiter ist ein Zugangsmittel, kein Arbeitsplatz.
Technische Sicherung hat dabei Vorrang vor persönlicher Schutzausrüstung: Gerüst, Arbeitsbühne oder Laufbohle zuerst. Ein Auffangsystem ersetzt den sicheren Standplatz nicht — es fängt den Sturz auf, es verhindert ihn nicht.
Neigung nicht verwechseln
Die Regeldachneigung für Ziegel, Steine und Schindeln darf mit den vom Hersteller vorgesehenen Zusatzmaßnahmen unterschritten werden. Die System-Mindestneigung für Platten und Bleche ist eine harte Grenze ohne Zusatzmaßnahme. Beide Begriffe gelten unabhängig von der Dachform, wirken sich aber bei flach geneigten Formen wie dem Pultdach oder dem oberen Bereich eines Mansarddachs am stärksten aus.
Altbestand bei jeder Form
Bei einer Sanierung ist unabhängig von der Dachform zuerst zu klären, ob Material aus der Zeit bis einschließlich 1993 verbaut ist — betroffen sein können Faserzement-Wellplatten, Faserzement-Kleintafeln, die Ziegel nachahmen, alte Bitumenbahnen sowie Kleber und Spachtelmassen. Geklärt wird das zuerst über die Bau- und Produktunterlagen; reichen sie nicht, folgt eine Materialprobe im Labor. Umgang und Entsorgung nach TRGS 519 durch einen dafür qualifizierter Fachbetrieb — diese Frage steht vor dem ersten Eingriff.
Schornstein und Dachdurchdringungen
Jede Dachform, die einen Schornstein oder eine andere Durchdringung trägt, braucht dort eine eigene Einfassung, unabhängig von der Grundform des Dachs. Wie diese Einfassung ausgeführt wird, steht in Schornstein einfassen und abdecken.
Photovoltaik im Bestand
Bei jeder Dachform gilt: Ein Ziegel unter einem bestehenden Modulfeld ist ohne Modulabnahme nicht erreichbar, und Module nimmt kein Laie ab — die DC-Seite bleibt spannungsführend, solange Licht auf das Modul fällt.
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